Jan Philipp Reemtsma

Mord am Strand

Allianzen von Zivilisation und Barbarei

Aufsätze
405 Seiten
ISBN 978-3-930908-34-9
Erschienen April 1998

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»Menschen sind gewalttätig, weil sie frei sind. Sie können sich entscheiden, Gewalt anzuwenden, oder aber, es nicht zu tun. Kulturen ziehen Grenzen zwischen verboten, erlaubt und geboten - Individuen müssen gewalttätig sein oder dürfen es oder dürfen es nicht. Eine Kultur als Zivilisationsform zu betrachten heißt, diese Grenzziehung für ihren interessantesten Aspekt anzusehen. Eine Kultur als Zivilsationsform anzusehen heißt auch, ihre Institutionen daraufhin anzusehen, in welcher Weise sie im Dienste dieser Grundentscheidung stehen und sie in sich abbilden. Barbarei nennen wir den Zustand, in dem es solche Institutionen nicht gibt. Barbarei nennen wir den mehr oder weniger fiktiven Zustand der regellosen Gewalt.«

Der vorliegende Band versammelt Aufsätze und Reden Jan Philipp Reemtsmas zu Erscheinungsformen und Folgen individueller und institutioneller Gewalt.

 

Aus dem Inhalt:

Mord am Strand - über Georg und Reinhold Forster

Die Blutkur oder Die Angst vor den Ansprüchen der Oberfläche und warum alles immer wieder auf Mord hinausläuft - Hans Henny Jahnn

Nationalsozialismus und Moderne

Die Memoiren Überlebender - über Ruth Klüger, Primo Levi, Robert Antelme, Ladislaus Szües und andere

Tat Twam Asi in der Schinderwelt. Ernst Jünger im Kaukasus

Trauma und Moral. Einige Überlegungen zum Krieg als Zustand einer kriegführenden Gesellschaft und zum pazifistischen Aspekt

Krieg ist ein Gesellschaftszustand

AutorIn/Hg.

Jan Philipp Reemtsma

Jan Philipp Reemtsma, Prof. Dr. phil., lebt und arbeitet vorwiegend in Hamburg. Er ist Gründer des Hamburger Instituts für Sozialforschung sowie der Arno Schmidt Stiftung, Geschäftsführender Vorstand der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur und Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Hamburg. Er hat zahlreiche Aufsätze und Bücher zu literarischen, historischen, politischen und philosophischen Themen veröffentlicht.

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Inhalt

Vorbemerkung   7

I
Mord am Strand
Georg Forster auf Tanna und anderswo   21

»Forsche nicht nach, wenn die Freiheit dir lieb ist; denn mein Gesicht ist ein Kerker der Liebe«
Philologische Anmerkungen zu Sigmund Freuds und Kurst Eisslers »Leonardo«   84

Die Blutkur oder Die Angst vor den Ansprüchen der Oberfläche und warum alles immer wieder auf Mord hinausläuft
Gedanken über Hans Henny Jahnn   103

II
Freiheit, Macht, Gewalt   125

Des Schreckens innewerden   145

Nationalsozialismus und Moderne   175

Über einen ästhetischen Einwand   208

III
Die Memoiren Überlebender
Eine Literaturgattung des 20. Jahrhunderts   227

Stenogramme aus der Vorhölle
Über Victor Klemperers Tagebücher   254

IV
Die Idee des Vernichtungskrieges
Clausewitz - Ludendorff - Hitler   285

»Es schneet der Wind das Ärgste zu«
Ernst Jünger im Kaukasus   316

Trauma und Moral
Einige Überlegungen zum Krieg als Zustand einer kriegführenden Gesellschaft und zum pazifistischen Affekt   347

Und auch Opas MG
Wolfgang Borchert als Veteran   369

Krieg und Nachkrieg
Reden zur Eröffnung der Ausstellung »Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944« in München und Frankfurt   381

Nachweise   403