Michael Wildt (Hg.)

Nachrichtendienst, politische Elite und Mordeinheit

Der Sicherheitsdienst des Reichsführers SS

400 Seiten
ISBN 978-3-86854-300-1
Erschienen Juni 2016
Erstausgabe 2003

um ein Vorwort ergänzte Neuausgabe

Zum Buch

Der Sicherheitsdienst des Reichsführers SS (SD) zählte zu den wichtigsten Institutionen des nationalsozialistischen Verfolgungs- und Vernichtungsapparates und blieb dennoch lange Zeit weitgehend unerforscht. Ein Grund dafür ist darin zu sehen, daß der SD im Laufe seiner Existenz von 1931 bis 1945 einem steten Funktionswandel unterlag, der sein Profil und seine Bedeutung nur schwer analytisch fassen läßt.

1931 als Nachrichtendienst geschaffen, um den politischen Gegner auszuspionieren, verwandelte sich der SD nach der Machtübernahme 1933 in eine Institution des Terrors. Zugleich bildete er den weltanschaulichen Kern, die politische Elite innerhalb des SS- und Polizeiapparates, um das Ziel, eine neue, allumfassende, auf »rassische Generalprävention« orientierte Sicherheitspolizei zu erreichen. Konsequent firmierten die Einsatzgruppen, die in den besetzten Ländern den rassistischen Generalplan durch Massenmord verwirklichten, als SD-Einheiten.

Erstmals vereinigt dieser Band neue Studien zum SD von überwiegend jüngeren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die die Rolle und Politik des SD im NS-Regime untersuchen.

AutorIn/Hg.

Michael Wildt

Michael Wildt ist Professor für Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert mit einem Schwerpunkt in der Zeit des Nationalsozialismus an der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 1997 bis 2009 arbeitete er als Wissenschaftler am Hamburger Institut für Sozialforschung. Er ist Mitherausgeber der Zeitschriften WerkstattGeschichte und Historische Anthropologie sowie der Studienreihe zur Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts in der Hamburger Edition.

 

 

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Inhalt

Enthaltene Beiträge
 

Michael Wildt
Einleitung


George Browder
Die Frühe Entwicklung des SD
Die frühe Entwicklung des SD


Carsten Schreiber
»Eine verschworene Gemeinschaft«
Regionale Verfolgungsnetzwerke des SD in Sachsen


Wolfgang Dierker
»Niemals Jesuiten, niemals Sektierer«
Die Religionspolitik des SD 1933-1941


Jürgen Matthäus
Konzept als Kalkül
Das Judenbild des SD 1934-1939


Christian Ingrao
Deutsche Studenten, Erinnerungen an den Krieg und nationalsozialistische Militanz
Eine Fallstudie


Joachim Lerchenmüller
Die »SD-mäßige« Bearbeitung der Geschichtswissenschaft


Gerd Simon
Germanistik und Sicherheitsdienst


Jörg Rudolph
»Sämtliche Sendungen sind zu richten an:...«
Das RSHA-Amt VII »Weltanschauliche Forschung und Auswertung« als Sammelstelle erbeuteter Archive und Bibliotheken


Katrin Paehler
Ein Spiegel seiner Selbst
Der SD-Ausland in Italien


Andrej Angrick
Otto Ohlendorf und die SD-Tätigkeit der Einsatzgruppe D


Ruth Bettina Birn
Kollaboration und Mittäterschaft
Die Inkorporierung von einheimischem Personal in die Sicherheitspolizei in den besetzten Ostgebieten


Klaus-Michael Mallmann
Der Krieg im Dunkeln
Das Unternehmen »Zeppelin« 1942-1945


Lutz Hachmeister
Die Rolle des SD-Personals in der Nachkriegszeit
Zur nationalsozialistischen Durchdringung der Bundesrepublik