Billy Ehn/Orvar Löfgren

Nichtstun

Eine Kulturanalyse des Ereignislosen und Flüchtigen

Aus dem Englischen von Michael Adrian
303 Seiten
ISBN 978-3-86854-240-0
Erschienen März 2012

Zum Buch

»Nichtstun ist die allerschwierigste Beschäftigung und zugleich diejenige, die am meisten Geist voraussetzt.« Oscar Wilde

Acht Uhr morgens: Mit geistesabwesend durchgeführten Routinen beginnt der Tag. – Vierzehn Uhr im Büro: Der Blick aus dem Fenster verführt zum Abschweifen und Träumen. – Viertel vor sechs im Supermarkt: In langen Schlangen stehen die Menschen wartend an der Kasse. Wir alle kennen solche »leeren« Zeiten des Alltags. 

Billy Ehn und Orvar Löfgren geleiten uns auf eine Reise in die Welt dieser Übergangszonen, Zwischenzeiten und Pausen. In ihrer Kulturanalyse des Flüchtigen und schwer Fassbaren schildern sie, was passiert, wenn allem Anschein nach gar nichts passiert, wenn Menschen sich von der Aussicht, »nichts zu tun«, angezogen oder abgestoßen fühlen, wenn sie geduldig oder wütend warten, wenn sie alltägliche Routinen gedankenverloren erledigen und in mehr oder weniger abstrusen Tagträumen der Realität entfliehen. Sie untersuchen, wie sich die Formen des Nichtstuns und die gesellschaftliche Haltung dazu in verschiedenen kulturellen Kontexten entwickeln und verändern, wie individuelle Gewohnheiten, Gedanken und Gefühle kulturell geformt werden. 

Die beiden schwedischen Wissenschaftler nutzen Literatur, Kunst, Film, Medien oder das Internet, private Anekdoten und Interviews, um zu erkunden, was Menschen tun, wenn sie warten, alltäglichen Routinen nachgehen oder tagträumen. Ihre Beispiele aus Schweden, den USA, Deutschland, Japan, Syrien oder Ghana stecken voller sehr vertrauter, aber auch überraschender Details. In Lebenszusammenhängen, in denen Effizienz oberste Priorität hat und auch in der Freizeit die sofortige Befriedigung der Bedürfnisse erwartet wird, kann Nichtstun auch subversives Potenzial in sich tragen.

Kreativ und aufschlussreich führt und verführt das Buch dazu, über Alltägliches neu nachzudenken und dessen tiefere, gesellschaftsrelevante Bedeutung zu erkennen.

AutorIn/Hg.

Billy Ehn

Professor für Ethnologie an der Umeå Universität, Schweden. Er veröffentlichte u.a. die Ergebnisse ethnographischer Feldforschungen, zum Beispiel im ehemaligen Jugoslawien, in Polen und in Schweden, wo er als Fabrikarbeiter und in verschiedenen Kindertagesstätten tätig war.

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Orvar Löfgren

Professor emeritus für Europäische Ethnologie an der Universität Lund, Schweden. Seine Veröffentlichungen befassen sich mit Konsum und den Medien. Darüber hinaus hat er zu Fragen der nationalen Identität und zur transnationalen Mobilität, etwa in den Bereichen Tourismus und Reisen, geforscht.

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Inhalt

Einleitung   7

Kapitel 1 Warten   19
Schauplätze des Wartens   24
Zähflüssige, verschwendete oder tote Zeit?   33
Vom Erlernen der Geduld – und der Ungeduld   43
Kulturen des Schlangestehens   56
Gefühlsklimata   75
Machtspiele   92
Paradoxien des Wartens   100

Kapitel 2 Routinen   105
Jonglieren wie ein Uhrwerk   111
Morgendliche Gewohnheiten und rituelle Speere   123
Kleine Routinen, große Konflikte   131
Multitasking   139
Krisen und Kontrolle   148
Die Macht der Gewohnheit   155

Kapitel 3 Tagträumen   159
Träumer in Aktion   163
Rühriger Leib, ausschweifender Geist   177
Einengung und Ausbruch   190
Abenddämmerung und Morgengrauen   206
Der Stoff, aus dem die Träume sind   216
Die Politik des Tagträumens   240
Ein Joker   259

Kapitel 4 In den Hinterhöfen der Moderne   261
Gemeinsame Verständnisse   261
Emotionalität und Macht   263
Wie sich Schichtzugehörigkeit herstellt   265
Subversivität   268
Eine Brücke zwischen dem Öffentlichen und dem Privaten   269

Postskriptum Wie betreibt man eine Ethnografie von »Nichtereignissen«?   273

Danksagung   287

Bibliografie   288

 
Originalausgabe The Secret World of Doing Nothing: University of California Press