François Jean/Jean-Christophe Rufin (Hg.)

Ökonomie der Bürgerkriege

Aus dem Französischen von Birgit Sommer
478 Seiten
ISBN 978-3-930908-46-2
Erschienen März 1999

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Bosnien, Libanon, Afghanistan, Kambodscha, Kurdistan, Liberia, Mozambique, Sudan, Peru, Kolumbien. Der Fernsehzuschauer ist beinahe täglich Zeuge kriegerischer Gewalt. Die Medienberichterstattung löst meist bedauerndes Unverständnis aus; manchmal entsteht ein spontanes Bedürfnis den Opfern zu helfen; die eingeblendete Kontonummer von Hilfsorganisationen droht die politische Auseinandersetzung zu ersetzen.

Seit dem Zweiten Weltkrieg und mehr noch seit dem Ende der Ost-West-Konfrontation hat sich die Erscheinungsform des Krieges verändert. Der klassische Krieg, der Krieg zwischen Staaten, wurde weitgehend verdrängt durch den Bürgerkrieg, den Krieg innerhalb eines Staates.

 

Wie aber werden diese Bürgerkriege finanziert? Wer bezahlt die Waffen und Soldaten? Fragen, die im Zentrum der Untersuchungen und Fallstudien von Wirtschaftswissenschaftlern, Soziologen, Politologen und Historikern zur Ökonomie der Bürgerkriege stehen. Sie schildern an konkreten Beispielen verschiedene Finanzierungsformen des Krieges durch den Drogenhandel, die Unterschlagung von humanitärer Hilfe oder das Unterlaufen von Wirtschaftsembargos. Es ist die Ökonomie in ihrer legalen wie illegalen Variante, die weit mehr als andere Faktoren die scheinbar bizarre Logik von Bürgerkriegen erklären kann. Diese Logik verlangt nach finanziellen Ressourcen und damit nach einer funktionierenden Kriegsökonomie, hinter der sich, durch wohlklingende Phrasen kaschiert, nicht selten ungezügeltes Machtstreben und hemmungslose Bereicherungssucht verbergen.

Die Autoren wollen mit diesem Band einen Anstoß geben, durch ein besseres Verständnis der wirtschaftlichen Zirkulationsprozesse im Kontext andauernder Kriege, ein zielgenaueres Handeln der internationalen Völkergemeinschaft und nichtstaatlicher Organisationen zu fördern.

AutorIn/Hg.

François Jean

ist wissenschaftlicher Leiter bei der Stiftung »Médicins sans Frontières« und Autor mehrerer Werke über internationale Konflikte und die Probleme humanitärer Hilfe.

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Jean-Christophe Rufin

ehemals Berater im französischen Verteidigungsministeriums, ist heute wissenschaftlicher Leiter am »Institut des relations internationales et stratégiques« (IRIS) und Publizist.

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Inhalt

Enthaltene Beiträge
 

François Jean/Jean-Christophe Rifin
Vorwort


Jean-Christophe Rufin
Kriegwirtschaft in internen Konflikten


Elisabeth Picard
Libanon – Die Wiederkehr des Alten


Hamit Bozarslan
Kurdistan: Kriegsökonomie und Ökonomie im Krieg


Gilles Dorronsoro
Afghanistan: von Solidaritätsnetzwerken zu regionalen Räumen


Christian Lechervy
Zur Ökonomie der kambodschanischen Kriege: Akkumulation und Dispersion


Xavier Bougarel
Zur Ökonomie des Bosnien-Konflikts: zwischen Raub und Produktion


Marc-Antoine de Montclos
Liberia oder die Ausplünderung eines Landes


Fabrice Weissman
Mosambik: Krieg als Mittel der Bereicherung


Gérard Prunier
Zur Ökonomie des Bürgerkrieges im Südsudan


Alain Labrousse
Kolumbien und Peru: politische Gewalt und Kriminalität


Pierre Kopp
Embargo und wirtschaftliche Kriminalisierung


Alain Labrousse
Territorien und Netzwerke: das Drogengeschäft


François Jean
Humanitäre Hilfe und Kriegsökonomie


 
Originalausgabe Economie des guerres civiles: Paris: Hachettes 1996