Bernd Greiner/Christian Th. Müller/Claudia Weber (Hg.)

Ökonomie im Kalten Krieg

Aus dem Englischen (Einzelbeiträge) von Felix Kurz
550 Seiten
ISBN 978-3-86854-225-7
Erschienen September 2010

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Allein die Zahlen übersteigen unser Vorstellungsvermögen. Dutzende von Billionen Dollar gaben Ost und West für ihren Kalten Krieg aus – um heiße Kriege abschrecken oder gewinnen zu können, um im Wettlauf der Gesellschaftssysteme die Oberhand zu behalten oder um Schlüsselregionen in der Dritten Welt auf ihre Seite zu ziehen.

Über die Folgen streiten Ökonomen und Wirtschaftshistoriker bis heute: Hat man es mit einer Ressourcenvernichtung in der Größenordnung eines Weltkrieges zu tun? Oder kamen diese Ausgaben doch der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung zugute? Wie stark wirkten die Impulse des Kalten Krieges auf das Wirtschaftswachstum im Vergleich zu anderen Faktoren – etwa zur Globalisierung?

Im vorliegenden Band ziehen 25 Autoren eine lange vermisste Bilanz. Detailstudien und Makroanalysen wägen Soll und Haben aufseiten der Hauptkontrahenten gegeneinander ab und legen dar, warum der »Wirtschaftskrieg« zwischen den Blöcken von Anfang an mit stumpfen Waffen und unwilligen »Mitstreitern« geführt wurde und warum die Händler einen längeren Atem hatten als die Kalten Krieger. Dass die »Dritte Welt« den höchsten, oft ruinösen Preis für den Kalten Krieg zahlte und in welcher Weise lokale Eliten zu diesem wirtschaftlichen Desaster beitrugen, wird anhand dieses systematischen Überblicks ebenfalls deutlich.

Nicht zuletzt befassen sich die Autoren mit den noch immer unabgegoltenen Hypotheken des Kalten Krieges – vornehmlich mit den großflächigen Verwüstungen der Umwelt, die in Ost und West bedenkenlos in Kauf genommen wurden, wenn es galt, Waffen zu produzieren und zu testen oder die Wirtschaft mit allen Mitteln zu modernisieren. Von 20 000 hochgradig verseuchten Orten in den USA ist die Rede; in Russland und den Nachfolgestaaten der UdSSR liegt die Zahl vermutlich noch wesentlich höher. Allein für die Beseitigung des Gröbsten werden auf unabsehbare Zeit Milliarden aufgewendet werden müssen.

AutorIn/Hg.

Bernd Greiner

Prof. Dr. phil., Historiker und Politologe; seit 2015 Leiter des Berliner Kolleg Kalter Krieg / Berlin Center for Cold War Studies. Seit 1989 ist er Wissenschaftler im Hamburger Institut für Sozialforschung.

Seine Arbeitsschwerpunkte sind: US-amerikanische Geschichte des 20. Jahrhunderts – unter besonderer Berücksichtigung des Kalten Krieges, der Beziehungen zwischen Militär und Zivilgesellschaft seit 1900, des deutsch-amerikanischen Verhältnisses; deutsche Amerikabilder; Theorie der Gewalt und internationaler Beziehungen.

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Christian Th. Müller

Dr. phil., Historiker. Arbeitsschwerpunkte: Deutsche Militärgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts; Militärsoziologie; Theorie-Geschichte-Zukunft militärischer Gewalt; Militär und Gesellschaft in der DDR und ausländische Truppen im geteilten Deutschland.

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Claudia Weber

Prof. Dr., lehrt an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder); Studium der Geschichte, Südslawistik und Politologie in Leipzig, Moskau, Sofia und Athens (Ohio); bis 2014 arbeitete sie als Historikerin am Hamburger Institut für Sozialforschung. 

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Inhalt

Enthaltene Beiträge
 

Bernd Greiner
Einleitung



Robert J. McMahon
Die Macht der Schwachen



Roger E. Kanet
Vier Jahrzehnte sowjetische Wirtschaftshilfe



Earl Conteh-Morgan
Die US-Entwicklungshilfe während des Kalten Krieges



Jason Pribilsky
»Indianerproblem«, Agrarreform und der Kalte Krieg in den Anden



Ragna Boden
Das Scheitern der sowjetischen Modernisierungsoffensive in Indonesien



Thomas Scheben
Wachstumsstrategien im Nahen Osten während des Kalten Krieges



Brigitte H. Schulz
Die zwei deutschen Staaten und das subsaharische Afrika



Judith Shapiro
Ökologische Folgen der chinesischen Wirtschaftspolitik im Kalten Krieg



David C. Engerman
Die Vereinigten Staaten und die Ökonomie des Kalten Krieges



Benjamin O. Fordham
Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der amerikanischen Militärausgaben



Monica R. Gisolfi
Farmpolitik und die Entstehung des militärisch-industriellen Komplexes im amerikanischen Süden



Seth Shulman
Ökologische Schäden des Kalten Krieges in den Vereinigten Staaten



Christopher Mark Davis
Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der sowjetischen Militärausgaben



Stephan Merl
Von Chruschtschows Konsumkonzeption zur Politik des »Little Deal« unter Breschnew



Paul Gregory
Der Kalte Krieg und der Zusammenbruch der UdSSR



Paul Josephson
Umweltschäden des Kalten Krieges in der UdSSR



Martin Dangerfield
Sozialistische Integration. Der Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW)



Dagmara Jajeśniak-Quast
Polen, die ČSSR und die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft während des Kalten Krieges



Patrick Gutman
West-östliche Wirtschaftskooperationen in der Dritten Welt



Hanns-Dieter Jacobsen
Das Koordinationskomitee für Multilaterale Exportkontrollen



Frank Cain
Das US-Handelsembargo und Europa



Shu Guang Zhang
China und die Wirtschaftssanktionen des Westens, 1950-1953



Christian Gerlach
Das US-amerikanisch-sowjetische Getreidegeschäft 1972



Christian Th. Müller
Der Erdgas-Röhren-Konflikt 1981/82