Dierk Walter

Organisierte Gewalt in der europäischen Expansion

Gestalt und Logik des Imperialkrieges

414 Seiten
ISBN 978-3-86854-280-6
Erschienen September 2014

Zum Buch

1. Platz DAMALS-Wettbewerb »Das historische Buch des Jahres 2015«

2016 ausgezeichnet von »Geisteswissenschaften International«

Die Geschichte der Moderne ist die Geschichte der europäischen Durchdringung der Welt. In den gut 500 Jahren seit Beginn der Eroberung Amerikas haben westliche Mächte die übrige Welt fast vollständig unter ihren politischen und militärischen Einfluss gebracht; für einige Jahrzehnte sogar vier Fünftel der Eroberfläche staatsrechtlich unterworfen. Und sie haben diese Welt mit ihrem Wirtschaftssystem und ihren Konsumgütern, mit ihren gesellschaftlichen, rechtlichen, moralischen und kulturellen Normen unwiderruflich geprägt. Dieser Prozess, den Wolfgang Reinhard als die »europäische Expansion« beschrieben hat, war nicht allein militärischer Natur. Aber er war in hohem Maße von Gewalt geprägt und ging mit Millionen von Opfern einher.

Dierk Walter untersucht erstmals systematisch die Rolle, die Erscheinungsformen und die Logik organisierter Gewalt als Mittel der europäischen Expansion. Von der Unterwerfung Amerikas und der Ausbreitung in Asien im 15. und 16. Jahrhundert, der Eroberung Indiens und Indonesiens, den amerikanischen Indianerkriegen im 17. und 18. Jahrhundert, den klassischen kolonialen Konflikten des 19. und 20. Jahrhunderts bis zu den Dekolonisationskriegen nach 1945 und darüber hinaus bis zu den Interventionen der jüngsten Zeit rekonstruiert die Studie Grundbedingungen, Konfliktmuster, Kriegsziele sowie Ursachen der Entgrenzung von Gewalt und die Dynamik des Zusammenstoßes gegensätzlicher Gewaltkulturen.

Dabei werden Parallelen zwischen verschiedenen Imperien und Kontinuitäten über die Epochengrenzen hinweg sichtbar, die deutlich machen, dass die jüngsten Militäreinsätze westlicher Streitkräfte in Drittweltländern wie Afghanistan, Irak oder Mali in einer 500-jährigen Tradition transkultureller Gewaltkonflikte unter den spezifischen Bedingungen der »kolonialen Situation« stehen.

AutorIn/Hg.

Dierk Walter

PD Dr. phil., Historiker; 2001-2015 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hamburger Institut für Sozialforschung; 2005-2015 Lehrbeauftragter an der Universität Hamburg; im Wintersemester 2012/2013 Vertretung der Professur für Neuere und Neueste Geschichte am Historischen Insititut der Universität Köln. 1995 bis 2001 Assistent für Neueste allgemeine Geschichte am Historischen Institut der Universität Bern, wo er 2001 promovierte und 2008 habilitierte

mehr

Inhalt

Einleitung  9

1. Krieg an der Peripherie  25

Raum  27
Logistik und Mobilität  34
Die Gegner der Imperien  42
Die Macht der Imperien  57
Die Grenzen der Machtprojektion  62
Truppenzahlen, Bevölkerung und Raum  68
Raumbeherrschung  76
Grauzonen  79
Entscheidung um jeden Preis  86
Kooperation  90
Politische Kriegsführung  109
Fazit  117

2. Ziele und Legitimationen  119

Begrenzte Ziele 122
Strafexpeditionen  125
Gehorsamserzwingung  127
Regimewechsel  130
Unterwerfung  132
Raub und Zerstörung  134
Totale Kriegsziele  139
Opportunismus  142
Indigene Motive  143
Fazit  147

3. Grenzüberschreitungen  150

Krieg ohne Regeln  156
Militärische Notwendigkeit  161
Härte und Entschlossenheit  166
Kulturdistanz  170
»Indianerland«  176
Vergeltungsdiskurse  180
Gewalttraditionen  183
Institutionelle Dynamiken  187
Ausnahmezustände  188
Fazit  190

4. Asymmetrie, Anpassung und Lernen  193

Streitkräfte  195
Taktik  207
Technik  212
Festungen  221
Seekrieg  223
Luftkrieg  226
Gewaltkulturen im Konflikt  229
Wissen und Ignoranz  233
Lernen  240
Fazit  255

Schluss  258

Danksagung  272
Anmerkungen  274
Literaturverzeichnis  367