Sebastian J. Moser

Pfandsammler

Erkundungen einer urbanen Sozialfigur

270 Seiten
ISBN 978-3-86854-276-9
Erschienen März 2014

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An Bahnhöfen, vor Fußballstadien, in Stadtgärten und Fußgängerzonen, überall kann man sie antreffen: die Pfandsammler. Es sind Männer und Frauen, alte und junge und sie gehören spätestens seit der Einführung des Pfandes auf Einweggetränkeverpackungen im Jahre 2006 zum Bild einer jeden deutschen Großstadt. Verdienen kann man mit dem Aufklauben von Dosen und Flaschen kaum etwas, diese nur vordergründig rein ökonomische Aktivität erlaubt es noch nicht einmal, die eigene Existenz auf minimale Weise selbstständig zu sichern. Zudem werden diese Menschen, die mit ihren Händen tief in die Abfalltonnen der Innenstädte greifen, die öffentliche Plätze vom Unrat der anderen reinigen und dann mit dem signifikanten Klappern der Flaschen in ihren Tüten weiterziehen, zumeist nur toleriert oder gar vor aller Augen erniedrigt. Ihnen haftet das Etikett des »Drecksarbeiters«, Penners und Schmarotzers an. Die vermeintlich einfache Frage, warum Menschen trotz all dieser widrigen Umstände tagtäglich aufs Neue durch die Straßen der Großstädte ziehen, was die Betrachtung dieser Sozialfigur in Bezug auf Prekarität und Marginalität, auf Armut und Einsamkeit in unserer modernen Gesellschaft zum Ausdruck bringt, erkundet die vorliegende Studie.

AutorIn/Hg.

Sebastian J. Moser

Sebastian Moser studierte von 2001 bis 2008 Soziologie, Sozialanthropologie und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Bielefeld. Seit 2008 in Lyon lebend, arbeitete er für die französische Éducation nationale als Lehrer für Deutsch als Fremdsprache an verschiedenen Einrichtungen. Im Jahr 2012 Mitbegründer des Labo Co‑Errance, das sich mit Fragen alternativer Forschung und Lehre beschäftigt.

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Inhalt

Vorbemerkung  9
Einleitung  11

Erster Teil

Zur Phänomenologie des Pfandsammelns  41
Ein-(Sammeln)  42
Zwischenlagern  54
Wegbringen  56

Sammeln: Objektive Bedingungsstrukturen  63
Eine kleine Pfandgeschichte  64
Pfand als Sicherung vorübergehender Tauschbeziehungen  66
Folgerungen: Die Janusköpfigkeit des Pfandgesetzes  68
Die Tätigkeit des Sammelns - Was tun wir, wenn wir sammeln  69
Folgerungen: Sammeln als Handlungsmuster  81

Pfandsammeln als Krisenlösung  83
Elisabeth: »Ich muss sowieso laufen«  83
Thomas: »Hängt man nicht in der Wohnung rum«  89
Dieter: »Freizeitausgleichsbeschäftigung«  103
Zwischenlager  115

Zweiter Teil

Ökonomische Wohltat oder: Wohltätige Ökonomie?  125
Die Gabe oder: Eine unmögliche Möglichkeit  125
Zwischen Selbstständigkeit und Selbstüberwindung  130
Informelle Dienstboten  135
Eine Form der Institutionalisierung: »pfandgeben.de«  145
Pfandspuckende Mülleimer?  151
Erster Exkurs: Verordnete Wohltätigkeit - Ährensammler  157

Die Ambivalenz von »Drecksarbeit«  164
Einer muss den Dreck wegmachen  164
Wertvoller Müll  169
»Drecksarbeiter« unter sich  173
Von Saubermännern und Müllwühlern  180
Zweiter Exkurs: Die ersten Müllmänner - Lumpensammler  183

Die Aufteilung des öffentlichen Raums  194
Neoliberale Stadtästhetik  194
Der Mülleimer als öffentlicher Raum  199
Sicherheit als attraktives Potenzial  205
Dritter Exkurs: Vom Staatsbürger zum Dieb - Raffholzsammler  211

Grenzen sozialer Anerkennung  217
Zur Schau gestellte Leistungsfähigkeit  217
Gewaltsame Worte  220
Ungebetene Gäste  242
Endlager  248

Bibliografie  257
Danksagung  269

Termine

Braunschweig, Technische Universität, 17. November 2014

Sebastian J. Moser: Allein auf der Entschleunigungsinsel

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Hamburg, Hamburger Institut für Sozialforschung, 17. September 2014

Sebastian J. Moser: Pfandsammler – Menschen in der Großstadt

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