Ulrike Jureit/Nikola Tietze (Hg.)

Postsouveräne Territorialität

Die Europäische Union und ihr Raum

350 Seiten, Mit Abbildungen
ISBN 978-3-86854-287-5
Erschienen März 2015

Zum Buch

Das Buch bietet mit dem Konzept der Postsouveränen Territorialität einen neuen Forschungsansatz, der den veränderten Bedingungen räumlicher Herrschaft in Europa Rechnung trägt und zugleich die mitunter atemberaubende Dynamisierung politischer Entscheidungs-­ und Handlungsabläufe im europäischen Integrationsprozess darstellt.

Im Zuge der Ausdifferenzierung von globalen Märkten, von digitalen Kommunikationsformen und transnationalen Verflechtungsdynamiken scheint die territoriale Ordnung von Staaten mehr und mehr an Bedeutung zu verlieren. Gehört das Zeitalter territorialer Herrschaft der Vergangenheit an? Werden wir irgendwann in einem Europa ohne Grenzen leben? Ohne Zweifel gewinnen supranationale Organisationen wie die Europäische Union an Einfluss auf politische, ökonomische, soziale und kulturelle Prozesse.

Beim gegenwärtigen Wandel von Souveränitätsansprüchen, Staatlichkeitstheorien und räumlichen Ordnungskonzepten setzen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Fachdisziplinen an. Sie nehmen einen Europäisierungsprozess in den Blick, durch den sich nicht nur individuelle Rechtsansprüche und Zugangsbedingungen zu Märkten und wohlfahrtsstaatlichen Leistungen verändern, sondern durch den sich neue Formen territorialer Herrschaft ausbilden. Territorialisierung ist zwar weiterhin eine zentrale Strategie, mit der soziale Prozesse gerahmt, Zugehörigkeiten bestimmt sowie Herrschafts- und Gültigkeitsräume definiert werden, nur liegen die Zuständigkeiten hierfür nicht mehr nur bei einem, sondern bei einer Vielzahl von nunmehr eingeschränkten Souveränen.

Obgleich sich Territorialität also gravierend verändert, werden die Raumbezüge politischen Ordnungshandelns in der Europäischen Union keineswegs schwächer, wohl aber komplexer. Postsouveräne Territorialität stellt eine historisch gewachsene, wenn auch bisher einzigartige Form kontinentaler Raumordnung dar, die sich im Kontext der europäischen Integration ausgebildet hat und die sich gegenwärtig und mit durchaus offenem Ende weiter fortschreibt.

 

 

AutorIn/Hg.

Ulrike Jureit

Dr. phil., ist Historikerin und Wissenschaftlerin am Hamburger Institut für Sozialforschung. Bis 2004 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin und Sprecherin im Team der Ausstellung »Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941-1944«. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Sozial- und Kulturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, Biographie- und Lebenslaufforschung, Politische Kollektivität, Oral History, Generationenforschung, Erinnerungskultur und Gedächtnisforschung und Raum als politischer Ordnungsbegriff.

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Nikola Tietze

PD Dr. phil., Soziologin, seit 2000 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Hamburger Institut für Sozialforschung; 2013 Habilitation an der Universität Hamburg; Gastdozentin an den Universitäten Hamburg, Paris, Bordeaux; 1999 Promotion an der École des Hautes Études en Sciences Sociales Paris und der Universität Marburg.

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Inhalt

Enthaltene Beiträge
 

Ulrike Jureit/Nikola Tietze
Postsouveräne Territorialität
Eine Einleitung



Achim Landwehr
Im Zoo der Souveränitäten
Oder: Was uns die Präsouveränität über die Postsouveränität lehren kann



Susanne Rau
Einheit Europa?
Visionen und Figuren der Vormoderne



Nikola Tietze
»Räume und Träume«
Ordnungsimaginationen in der Europäischen Union



Jochen Kleinschmidt
Europäische Raumsemantiken
Überlegungen zu einem post-geopolitischen Selbstverständnis



Ulrike Jureit
Wachsender Raum?
Die Europäische Union kommentiert ihre territorialen Erweiterungen



Steffi Marung
Die wandernde Grenze
Territorialisierungsentwürfe nach der EU-Osterweiterung 2004



Lena Laube
Postsouveräne Räume
Makroterritorien und die Exterritorialisierung der europäischen Grenzpolitik



Tobias Chilla
Grenzüberschreitende Verflechtung
Ein Fall von postsouveräner Raumentwicklung?



Sebastian M. Büttner
Mobilisierte Regionen
Zur Bedeutungsaufwertung des subnationalen Raums in einem erweiterten Europa



Jens Wissel/Sebastian Wolff
Die Europäische Union als multiskalares Staatsapparate-Ensemble.
Zum Zusammenhang von gesellschaftlicher Regulation und strategischer Raumproduktion



Monika Eigmüller
Die Entwicklung des europäischen Rechtsraums als sozialpolitischer Anspruchsraum:
Raumdimensionen der EU-Sozialpolitik



Petra Deger
Die Europäische Union als Gestaltungsraum -
Postsouveräne Territorialität oder das Ende moderner Staatlichkeit?