Matthias Fink

Srebrenica

Chronologie eines Völkermords oder Was geschah mit Mirnes Osmanović

992 Seiten, mit 20 Fotos und 12 farbigen Karten
ISBN 978-3-86854-291-2
Erschienen Juli 2015

Zum Buch

»Matthias Fink erzählt - ausgehend von einer treffsicheren Quellenauswahl und -analyse – präzise, fesselnd und erkenntnisfördernd wie die Belagerung von Srebrenica in einen Völkermord eskalierte.«
Tobias Bütow, Politologe und Zeithistoriker am Centre international de formation européenne

Der Name Srebrenica steht für das schwerste Kriegsverbrechen in Europa seit Ende des Zweiten Weltkriegs: mehr als 8.000 ermordete bosnisch muslimische Männer und Jugendliche; über 25.000 Vertriebene, vor allem Frauen, Kinder und alte Menschen. Aber auch dafür, dass eine noch immer unbekannte Anzahl von Offizieren, Unteroffizieren und Soldaten aus der Armee der bosnischen Serben im Juli 1995 zu Kriegsverbrechern wurde.
Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien stufte das Verbrechen in Srebrenica als Völkermord ein – noch heute wird gegen mutmaßliche Verantwortliche und ihre Untergebenen verhandelt.

Am 11. Juli 1995 hatte die Armee der bosnischen Serben die ostbosnische Bezirksstadt Srebrenica, Zentrum einer Sicherheitszone der Vereinten Nationen erobert. Armeebefehlshaber General Ratko Mladić erklärte vor laufender Kamera, er überreiche die Stadt dem serbischen Volk als Geschenk. Die Blauhelmsoldaten der Vereinten Nationen vor Ort sahen den Vorgängen hilflos zu.

Anhand von Beweisdokumenten und Zeugenaussagen des Internationalen Strafgerichtshofs erzählt Matthias Fink die Vorgeschichte und den Ablauf des Dramas von Srebrenica. Seine Darstellung zeigt, warum die »ethnische Säuberung« des Bezirks Srebrenica am Ende in den Völkermord geführt hat und warum die bosnische Regierung und ihre Armee sowie die Weltgemeinschaft und ihre Schutztruppe diesem Geschehen tatenlos zusahen.

Es gelingt dem Autor, das gesellschaftliche Konstrukt hinter dem Konflikt aufzudecken. Eindrücklich werden Aussagen der Überlebenden, aber auch der Täter und der »Zuschauer« dargestellt, sodass die Gewalteskalation wie auch die Erfahrungswelten der Beteiligten bestechend, erschreckend und auch berührend anschaulich werden.


AutorIn/Hg.

Matthias Fink

Dr. phil., studierte Amerikanistik, Politikwissenschaften und Zeitgeschichte in Tübingen und München. Er ist Journalist, Autor und Produzent politischer Reportagen und Dokumentationen für verschiedene ARD-Rundfunkanstalten. 1998 wurde Matthias Fink mit dem Robert-Geisendörfer-Preis der Evangelischen Kirche Deutschlands ausgezeichnet, 2004 mit der World Silver Medal des New York Festivals. Matthias Fink unternahm jahrelang zahlreiche Recherchereisen an die Orte des Geschehens in Bosnien-Herzegowina und war seit Beginn der Verhandlungen vor dem Internationalen Gerichtshof für das ehemalige Jugoslawien als Prozessbeobachter dabei.

Interview mit Matthias Fink über »Srebrenica«

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Inhalt

Prolog: Davor  9

I Krieg in Ost-Bosnien  41
Kriegsziele  47
Der Krieg im Tal der Drina  59
Krieg um Srebrenica  70
Sicherheitszone Srebrenica  206

II Operation Krivaja 95 - Angriff auf die Sicherheitszone Srebrenica  299
Der Befehl und seine Vorgeschichte  303
Donnerstag, 6. Juli 1995  311
Freitag, 7. Juli  319
Samstag, 8. Juli  320
Sonntag, 9. Juli  331
Montag, 10. Juli  344
Dienstag, 11. Juli  359

III Der Völkermord von Srebrenica - Der erste Akt: Vertreibung, Gefangenschaft, Flucht  399
Mladić' Entscheidung - Das dritte Treffen im Hotel Fontana  404
Das Drama in Potočari - Frauen, Kinder, Alte und Kranke bei der UNPROFOR  409
Deportation - Frauen, Kinder und Alte  428
Selektion - Männer und Jugendliche  457

IV Der Völkermord von Srebrenica - Der zweite Akt: Massentötungen  547
Schauplätze des Völkermordes  553
Die Region - verschlossen und verriegelt  689
Vertuschungsaktionen  694
Zahlenspiele mit Opfern  707

V Täter - »Ein gemeinsames kriminelles Unternehmen«  721
»Schuldig«, »nichts gewusst«, »nichts getan« - Drei Mordtechnokraten  727
»Kommt von ganz oben« - Die Befehlskette  748
»Serbische Helden« und ihre Feindbilder  766

VI Schuld und Verantwortung - Srebrenica und der Rest der Welt  799
Wehrlos - Kein Schutz von Regierung und Armee  803
Hilflos - Kein Schutz durch DutchBat  842
Kraftlos - Kein Schutz von den Vereinten Nationen  860
Kopflos - Kein Schutz durch NATO und Westmächte  886
Keine Beweise - Serbiens Rolle beim Fall von Srebrenica  900

VII Der Krieg zieht weiter  927

Epilog: Danach  940

Dank  958

Anhang  961
Tabellen: Primär- und Sekundärgräber  962
Abkürzungen  965
Quellen- und Literaturverzeichnis  966
Karten  977

Leseprobe

Kriegsziele

»Was ist unser Ziel?«, fragte Generalleutnant Ratko Mladić die Abgeordneten des Parlaments der Republik Srpska, als diese ihn zum Befehlshaber der an diesem Tag konstituierten Armee der bosnisch-serbischen Republik Srpska (Vojska Republike Srpske - VRS) erwählten. Es war der 12. Mai 1992, und der Krieg war noch in seinem Anfangsstadium, doch die bosnisch-serbischen Einheiten hatten ihre bosniakischen und bosnisch-kroatischen Gegner an vielen Orten schon vertrieben, und natürlich war seine Frage nur rhetorisch gemeint. 

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Termine

München, Buch in der Au, 24. September 2015

Matthias Fink: Srebrenica

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