Luc Boltanski/Laurent Thévenot

Über die Rechtfertigung

Eine Soziologie der kritischen Urteilskraft

Aus dem Französischen von Andreas Pfeuffer
493 Seiten
ISBN 978-3-86854-285-1
Erschienen November 2014
Erstausgabe 2007

Zum Buch

Boltanski und Thévenot entwickeln eine ebenso anregende wie ambitionierte »pragmatische Soziologie«, die nicht nur eine neue Sichtweise auf soziale Interaktion eröffnet, sondern als wegweisendes soziologisches Paradigma in Frankreich intensiv debattiert wird.

Auf welche Weise artikulieren Menschen in konfliktträchtigen Situationen – in einem alltäglichen Streit oder einer Tarifauseinandersetzung – Widerspruch, und wie rechtfertigen sie ihr Handeln, um dann möglicherweise mit ihrem Gegenüber Einvernehmen oder zumindest einen tragfähigen Kompromiss zu erzielen? Dieser Frage gilt das Interesse Luc Boltanskis und Laurent Thévenots.

Anders als die traditionelle Soziologie, die das Handeln von Individuen, Gruppen und Klassen auf objektive und den Akteuren verborgene Kräfte zurückführte, nehmen Boltanski und Thévenot die Fähigkeit des Menschen ernst, solche Situationen und deren Anforderungen zu meistern, indem sie auf verschiedene Rechtfertigungsprinzipien zurückgreifen, die ihren Ursprung in der Objektwelt sowie in unterschiedlichen Vorstellungen vom Gemeinwohl haben.

Dabei identifizieren die Autoren sechs für unsere heutige Gesellschaft konstitutive Rechtfertigungsordnungen, die ideengeschichtlich in zentralen Werken der politischen Philosophie Gestalt angenommen haben: die der Inspiration bei Augustinus, der häuslichen Sphäre bei Bossuet, des Ruhmes und der öffentlichen Meinung bei Hobbes, des Marktes bei Smith, des Staatsbürgers bei Rousseau und der Industrie bei Saint-Simon.

Wie Boltanski und Thévenot unter anderem am Beispiel einer systematischen Analyse von Managementstrategien zeigen, können all diese Rechtfertigungsordnungen in spezifischen gesellschaftlichen Bereichen gleichzeitig präsent sein und den Akteuren als Ausgangs- und Bezugspunkt in ihrem Bemühen um Verständigung und Anerkennung dienen. Mit ihnen lassen sich auch viele Konflikte erklären, die dann entstehen, wenn die Beteiligten – bewusst oder unbewusst – auf unterschiedliche Ordnungen rekurrieren.

Als Synthese sozialphilosophischer, soziologischer, organisationstheoretischer und ökonomischer Ansätze bietet das Buch eine innovative Perspektive auf Grundfragen der Sozialwissenschaften, die theoretisch reizvoll und zugleich von weitreichender politischer Relevanz sind.

AutorIn/Hg.

Luc Boltanski

Professor für Soziologie an der École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS) in Paris und Mitglied der Groupe de sociologie politique et morale.

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Laurent Thévenot

ist Professor für Soziologie an der École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS) in Paris und Mitglied der Groupe de sociologie politique et morale.

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Inhalt

(Auszug)

Wie wir dieses Buch geschrieben haben

Erster Teil: Der Rechtfertigungsimperativ

Zweiter Teil: Das Gemeinwesen

Dritter Teil: Die gemeinsamen Welten

Vierter Teil: Die Kritik

Fünfter Teil: Die Beschwichtigung der Kritik

Nachwort

Das gesamte Inhaltsverzeichnis als PDF

 
Originalausgabe De la Justification: Les Èconomies de la Grandeur: Paris: Èditions Gallimard 1991