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Verlagspräsentation

Mittwoch, 17. Juni 2015, 19 Uhr
Hamburger Institut für Sozialforschung, Mittelweg 36, Hamburg

Aus Anlass des zwanzigjährigen Bestehens der Hamburger Edition diskutieren Jan Philipp Reemtsma und Jürgen Kaube darüber, was ein wissenschaftlicher Verlag für die Forschung und für die breitere Öffentlichkeit leisten kann.
Am Beispiel der Gewaltforschung, ein Thema, das das Verlagsprogramm der letzten 20 Jahre wesentlich geprägt hat, loten sie die Wechselwirkung zwischen Veröffentlichungen und forschungsinternen sowie öffentlichen Debatten aus.

Den Flyer zu der Veranstaltung mit weiteren Informationen finden Sie hier.

Mehr zu Jan Philipp Reemtsma


Gab es eine Kontinuität zwischen »Windhuk und Auschwitz«?

In »›Ein trauriges Fiasko‹. Koloniale Konzentrationslager im südlichen Afrika 1900-1908« hat Jonas Kreienbaum die Konzentrationslager der Briten und Deutschen im südlichen Afrika Anfang des 20. Jahrhunderts untersucht.

Kreienbaum geht es um Fragen, die von Historikerinnen und Historiker intensiv diskutiert werden: Sind in den Koloniallagern Genozide verübt worden? Und waren dies die Vorbilder für die KZs des NS-Regimes?

Angesichts des Massensterbens in den Kolonien gab es in Deutschland, im Gegensatz zu Großbritannien, keinen öffentlichen Aufschrei. Der Grund war aber vor allem Rassismus: »In den deutschen Lagern starben Schwarze, bei den Buren in den britischen Lagern handelte es sich um Weiße.«

Klicken Sie hier, um unser Gespräch mit dem Historiker Jonas Kreienbaum zu lesen.

Klicken Sie hier, um unser Gespräch mit dem Historiker Jonas Kreienbaum zu lesen.

Im Dezember 1904 befahl Reichskanzler von Bülow dem Oberbefehlshaber in Deutsch-Südwest, Lothar von Trotha, Konzentrationslager zu errichten »für die Unterbringung und Unterhaltung der Reste des Hererovolkes«. Warum haben Sie die Konzentrationslager in den britischen und deutschen Kolonien im südlichen Afrika untersucht?
Mich hat die seit etwa zehn Jahren intensiv geführte Debatte darüber, ob es einen direkten Zusammenhang zwischen kolonialer und nationalsozialistischer Gewalt gibt, enorm interessiert. Umstrittenen ist, ob eine mögliche Kontinuität lediglich von »Windhuk nach Auschwitz«, wie Jürgen Zimmerer es formuliert hat, untersucht werden muss — also nur mit Blick auf die deutsche Kolonialgeschichte — oder ob der europäische Kolonialismus insgesamt der Ausgangspunkt sein sollte. An den Konzentrationslagern, die mit im Zentrum der Kontinuitätsdebatte stehen und die um 1900 erst von Großbritannien in Südafrika und anschließend vom Kaiserreich im benachbarten Südwestafrika eingesetzt wurden, lassen sich die Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede europäischer Kolonialisierung meines Erachtens exemplarisch herausarbeiten. Das war der Ausgangspunkt für meine Forschung.

Was waren die wichtigsten Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Umgang Großbritanniens und Deutschlands mit den kolonialen Lagern bzw. mit den dort Internierten?
Beide Lagersysteme dienten zunächst einmal der Beendigung langwieriger Kolonialkriege. Die Briten internierten die Zivilbevölkerung ganzer Landstriche, um die burischen Guerillakämpfer zu isolieren. Deutschland nutzte die Lager eher wie Kriegsgefangenenlager und sperrte alle Gefangenen bzw. sich ergebenden Herero und Nama ein, darunter ebenfalls viele Frauen und Kinder, die systematisch zur Zwangsarbeit herangezogen wurden. Der größte Unterschied war die Reaktion auf das Massensterben in den Lagern. Während es im Vereinigten Königreich zu einem öffentlichen Aufschrei kam, nachdem die hohen Todesraten unter den burischen Internierten bekannt wurden, und umgehend massiv Ressourcen zur Verbesserung ihrer Lage bereitgestellt wurden, kam es in Deutschland zu keiner vergleichbaren Reaktion. Das lässt sich aber weniger mit einem grundsätzlichen Unterschied zwischen britischer und deutscher Kolonialpolitik erklären, als vielmehr mit dem zeitgenössischen Rassismus. In den deutschen Lagern starben Schwarze, bei den Buren in den britischen Lagern handelte es sich um Weiße. Jene Afrikaner, die in Südafrika in einem separaten Lagersystem in ähnlicher Anzahl starben wie die Buren, lösten in der britischen Öffentlichkeit keinerlei Reaktion aus und ihre Lebensbedingungen wurden auch kaum verbessert.

Waren die von Ihnen untersuchten kolonialen Lager Vorläufer der nationalsozialistischen Konzentrationslager?
Nein, dafür spricht sehr wenig. Die kolonialen Lager waren primär militärische Mittel zur Beendigung langwieriger Kolonialkriege. Die NS-Konzentrationslager hingegen entstanden zunächst als innenpolitische Instrumente zur Bekämpfung politischer Opposition und wiesen auch im Verlauf ihrer rasanten Veränderungen nur wenige Gemeinsamkeiten mit den kolonialen Lagern auf. Eine signifikante Ausnahme war die Vermietung von Internierten als Zwangsarbeiter an Unternehmen, die sowohl in Südwestafrika als auch ab 1942 in Nazi-Deutschland praktiziert wurde. Dennoch ist ein Lernprozess zwischen »Windhuk und Auschwitz« sehr unwahrscheinlich. Erstens boten die kolonialen Lager kaum Lektionen an, die die Nazis hätten lernen können. Zweitens waren die deutschen Koloniallager nie sonderlich bekannt gewesen und in den 1930er Jahren weitgehend vergessen. Daher wundert es drittens nicht, dass die historische Forschung bisher kaum handfeste Belege für eine direkte Beeinflussung finden konnte.

Anlässlich des Gedenkens an den Massenmord an den Armeniern vor 100 Jahren wurde deutlich, wieviel Brisanz in der Verwendung des Begriffs Genozid steckt. Wie sehen Sie das in Bezug auf die Ereignisse in den britischen und deutschen Koloniallagern?
Aus Sicht historischer Forschung ist der Genozid-Begriff sehr schwierig und es gibt endlose Debatten um mögliche Definitionen. Gemäß den meisten Definitionen war das deutsche Vorgehen in Südwestafrika 1904 zweifelsohne ein Völkermord. Das gilt allerdings nicht für die 1905 errichteten Lager, die in Berlin als eine Abkehr von der vorherigen Vernichtungspolitik verstanden wurden. Es starben in den Lagern — in Süd- wie Südwestafrika — Abertausende Menschen, aber das entsprang nicht einer gezielten Vernichtungsabsicht der jeweiligen Kolonialmacht. Damit fehlt das zentrale Kriterium, um von Genozid sprechen zu können. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass es sich um eine menschenverachtende Politik handelte.


Jan Philipp Reemtsma erhält den Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig 2015

Am 26. Juni wird Jan Philipp Reemtsma im Rahmen eines Festaktes in der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig der Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig verliehen. Die Laudatio hält Wallstein-Verleger Thedel von Wallmoden.
Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird im jährlichen Wechsel mit dem Gutenberg-Preis der Stadt Mainz und der internationalen Gutenberg-Gesellschaft verliehen.

Gleichzeitig präsentiert das Deutsche Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek eine Auswahl an Publikationen, die Jan Philipp Reemtsma finanziert, befördert, inititiiert, betreut, herausgegegeben und verfasst hat, also auch Werke, die in der Hamburger Edition erschienen sind.


Europa ohne Grenzen?

Die rigide Abschottung der EU nach außen, die derzeit aufgrund der unzähligen Toten im Mittelmeer sehr umstritten ist, steht im starken Widerspruch zu der vielgenannten These, dass in postsouveränen Systemen territoriale Markierungen zunehmend bedeutungslos würden.
Ob das Zeitalter territorialer Herrschaft wirklich der Vergangenheit angehört und wir irgendwann in einem Europa ohne Grenzen leben werden, wird in dem aktuellen Sammelband »Postsouveräne Territorialität. Die Europäische Union und ihr Raum«, herausgegeben von Ulrike Jureit und Nikola Tietze, erhellend diskutiert.

Mehr zu Ulrike Jureit / Nikola Tietze (Hg.), »Postsouveräne Territorialität«


»Großes Plädoyer gegen die Vergötzung der allseitigen Einsichtnahme«

So bezeichnet Klaus Hansen das Buch von Jacques de Saint Victor, »Die Antipolitischen« in seiner lobenden Rezension auf socialnet.de.
»Es trägt alle Merkmale eines klugen Essays, ist brillant geschrieben und ein Lesevergnügen.«
Eine uneingeschränkte Empfehlung an alle, die sich für die Phänomene Web-Populismus, Politikverdrossenheit und direkter Demokratie interessieren.

Die ganze Rezension lesen Sie hier.

Mehr zu Jacques de Saint Victor, »Die Antipolitischen«


Aktueller Buchtipp in der neuen Ausgabe von DAMALS

Mark Häberlein empfiehlt in der aktuellen Ausgabe von DAMALS - Das Magazin für Geschichte Dierk Walters Buch »Organisierte Gewalt in der europäischen Expansion - Gestalt und Logik des Imperialkrieges« als anregende Lektüre und schreibt, dass es »auch einen Beitrag zum Verständnis aktueller militärischer Konflikte leistet.«

Die gesamte Rezension finden Sie hier.

Mehr zu Dierk Walter, »Organisierte Gewalt in der europäischen Expansion«


Armenien und der Völkermord

Vor 100 Jahren, am 24. April 2015, begann mit der Deportation armenischer Intellektueller aus Istanbul der Völkermord. Die osmanische Regierung betrachtete die christliche Minderheit als innere Feinde und bezweifelte ihre Loyalität im Kampf gegen Russland während des Ersten Weltkrieges.
Auf Druck der Alliierten wurden 1919 bis 1921 führende türkische Politiker des Völkermords angeklagt. Diese sogenannten Istanbuler Prozesse waren der erste Schritt, Menschenrechtsprinzipien mit Hilfe einer internationalen Strafgerichtsbarkeit Geltung zu verschaffen. Der türkische Wissenschaftler Taner Akçam analysiert u. a. anhand der Protokolle, die historischen und politisch-ideologischen Hintergründe, die zu dem Genozid führten.

Mehr zu Taner Akçam, »Armenien und der Völkermord«


Deutschlandradio Kultur empfiehlt »Die Antipolitischen«

»Die Antipolitischen« ist »ein schmales, aber gewichtiges Büchlein«, betont Mirko Martin, dessen Lektüre zum Nachdenken über Schwarmintelligenz und die Konsequenzen aus dem gegenwärtigen »Transparenz«-Gebot anregt. »Es vertraut nahezu furchtlos der altehrwürdigen Tradition des besseren Arguments und ist gegen die Herabwürdigung des Politischen und die Negierung des Sozialen.«

Die ganze Rezension können Sie hier nachlesen.

Mehr zu Jacques de Saint Victor, »Die Antipolitischen«


Transitional Justice in Marokko

Am 10. April 2004 wurde in Marokko per Dekret des amtierenden Königs Mohammed VI die unabhängige nationale Wahrheits- und Versöhnungskommission (IER) eingesetzt. Ihr Ziel war die Aufarbeitung der Menschenrechtsverletzungen unter der Herrschaft von König Hassan II. Damit ist Marokko das erste Land in der arabischen Welt, das Transitional Justice in der Vergangenheitsbewältigung angewendet hat.

Fatima Kastner beschreibt eindrücklich diesen Übergangsprozess in Marokko und die ideengeschichtlichen Entwicklungslinien, die transitionale Gerechtigkeit zur weltpolitischen Regel werden ließ.

Mehr zu Fatima Kastner, »Transitional Justice in der Weltgesellschaft«


»Die Revolution ist kein Deckchensticken«

»Die Revolution ist ein Aufstand, ein Gewaltakt, durch den eine Klasse die andere stürzt.«
Diese Worte Mao Tse-tungs zitierte Rudi Dutschke in seiner stärksten Gewaltapologie, die er kurz nach dem 11. April 1968 formulierte, dem Tag des Attentates auf ihn. Und genau dieses Zitat lässt sich auch in einigen RAF-Schriften finden, wie Wolfgang Kraushaar in seinem Essay »Rudi Dutschke und der bewaffnete Kampf« in der Ausgabe der kleinen reihe »Rudi Dutschke, Andreas Baader und die RAF« aufzeigt. Und dies war nicht die einzige Verbindung zwischen dem »idealisierten Rebell« und der RAF.

Mehr über »Rudi Dutschke, Andreas Baader und die RAF«


Platz 3 SZ/NDR-Sachbuchbestenliste April

Die Süddeutsche Zeitung und der Norddeutsche Rundfunk haben Claudia Webers Buch über die Massenerschiessungen von Katyń zum drittbesten Sachbuch des Monats April gewählt, dem Monat des offiziellen Gedenkens an die Opfer dieses Verbrechens.

Am 13. April 1943 meldete das Deutsche Nachrichtenbüro den Fund der Massengräber bei Katyń, worauf ein regelrechter Propagandakrieg um die Täterschaft zwischen dem »Dritten Reich« und Stalins Russland entbrannte.

Am 13. April 1990 übergab Gorbatschow Polen die originalen Exekutionslisten des NKWD und räumte erstmals öffentlich die Schuld Russlands ein. Aus diesem Grund erklärte Polen den 13. April zum Gedenktag an die Opfer von Katyń.

Mehr zu Claudia Weber, »Krieg der Täter«

Zur SZ/NDR-Sachbuchliste April 2015


Heinz Bude im Disput mit Jutta Allmendinger

Der Makrosoziologe Heinz Bude diskutiert mit Jutta Allmendinger, der Präsidentin des Wissenschaftszentrums
Berlin für Sozialforschung unter anderem die Frage, wie politisch die Angst ist, die er in seinem Buch »Gesellschaft der Angst« beschreibt. Die Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung fand am 18. März 2015 in Berlin statt.


Jahrestag des Massakers von My Lai

Am 16. März 1968 erschossen amerikanische Soldaten in dem vietnamesischen Dorf My Lai innerhalb weniger Stunden an die 500 Zivilisten, darunter Kinder und Greise. Wie Bernd Greiner in seinem Standardwerk über den Vietnamkrieg »Krieg ohne Fronten« und einem Spiegel-Artíkel zeigt, sind die Ursachen unter anderem in dem hohen Grad an Frustration unter den Soldaten und dem Wunsch nach Rache für die Tode aus dem Hinterhalt zu suchen. Die GIs wollten einen »Beweis an Kampfeslust« hinterlassen und richteten ein Massaker unter den vietnamesischen Bauern an. Lediglich der befehlshabende Offizier William Calley wurde von einem Militärgericht am 31. März 1971 verurteilt. 

Mehr zu Bernd Greiner, »Krieg ohne Fronten. Die USA in Vietnam«


Unsere Neuerscheinungen Frühjahr 2015 sind jetzt lieferbar


20 Jahre Wehrmachtsausstellung

Vor 20 Jahren wurde in Hamburg die erste von zwei Ausstellungen über die Verbrechen der Wehrmacht eröffnet. Lesen Sie hier einen Beitrag von Jan Philipp Reemtsma über die Wirkung der ersten Ausstellung und warum er diese von einer Historikerkommission überprüfen und eine zweite, völlig neu konzipierte Schau erarbeiten ließ.


Ausstellung »Der Grosse Terror« von Tomasz Kizny

Vom 6. März bis 19. April zeigt das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte, Potsdam, die Sonderausstellung »Der Grosse Terror 1937 - 1938 in der Sowjetunion«, eine fotografische Dokumentation des polnischen Fotografen und Journalisten Tomas Kizny. Er hat in Geheimarchiven Fotos der Opfer Stalins geborgen und die Orte von Massengräbern ausfindig gemacht und fotografiert. Die daraus entstandene Fotoausstellung ist erstmals in Deutschland zu sehen.

In der Hamburger Edition hat Tomasz Kiszy den Bildband »Gulag« veröffentlicht, der in 450 zeitgenössischen Aufnahmen das Leben in den sowjetischen Konzentrationslagern dokumentiert.

Weitere Informationen zu der Ausstellung finden Sie hier.

Mehr zu Tomasz Kizny, »Gulag«


Essay von Wolfgang Kraushaar über den IS-Terror

Der Politikwissenschaftler Wolfgang Kraushaar, Forscher am Hamburger Institut für Sozialforschung, kritisiert in seinem Essay »Radikale Auslöschung« auf perlentaucher.de die von Olivier Roy gezogene Parallele zwischen dem RAF-Terrorismus und dem Islamischen Staat. Er argumentiert und plädiert für eine Schärfung der Begrifflichkeiten und kommt zu dem Schluss, dass es sich im Fall des IS um exterministischen Terrorismus handelt, der im Gegensatz zu dem Terrorismus der RAF in erster Linie auf eine radikale Auslöschung des Gegners abzielt.

Den vollständigen Essay können Sie hier auf perlentaucher.de lesen.

Wolfgang Kraushaar in der Hamburger Edition


Zygmunt Bauman über die Situation Europas

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Lettre International analysiert der Soziologe und Autor der Hamburger Edition Zygmunt Bauman die Situation Europas zwischen Renationalisierung und Globalisierung. Viele der aktuellen Krisen entstehen seiner Meinung nach aus länderübergreifenden Problemen, die aber aufgrund der territorial gebundenen Machtbefugnisse kaum zu lösen sind. Die Europäische Union könnte hier eine Brücke schlagen und Labor sein, für »den mühsamen Sprung von den »imaginierten Gesamtheiten« der Nationalstaaten zur »imaginierten Gesamtheit« der Menschheit.

Mehr zu Zygmunt Bauman


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