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SZ/NDR-Sachbücher des Monats August

Gleich zwei unserer aktuellen Titel sind von der Süddeutschen Zeitung und dem Norddeutschen Rundfunk zu den besten Sachbüchern des Monats August gewählt worden.

Platz 5 für Jacques de Saint Victor, »Die Antipolitischen«

Platz 10 für Matthias Fink, »Srebrenica«


Wolfgang Kraushaar in Essen

Am 13. August um 19.30 Uhr findet in der Alten Synagoge in Essen eine Verstaltung mit unserem Autoren Wolfgang Kraushaar statt. Er spricht über »Die Gegenwart der Auslöschung - Versuch, den im Namen des Islams verübten Terror zu verstehen«. Zu diesem Themenkomplex ist bereits sein Buch »Aufruhr der Ausgebildeten. Vom Arabischen Frühling zur Occupy-Bewegung« erschienen

Weitere Informationen zu der Veranstaltung finden Sie hier.



Srebrenica - 20 Jahre nach dem Völkermord

Im Juni 1995 erfolgte der erste Angriff bosnischer Serben auf einen Beobachtungsposten der UN am Rande der UN-Schutzzone rund um Srebrenica.
Dies war der Auftakt zu den Ereignissen, die am 11. Juli 1995 in dem Völkermord an mehr als 8.000 bosnischen muslimischen Männern und Jugendlichen kulminierten.
In der interaktiven Karte erfahren Sie, was in der UN-Schutzzone im Juli 1995 geschah.


»Srebrenica war ein Hindernis, das aus der Welt geschafft werden musste.«

Der Journalist Matthias Fink erklärt in diesem Interview, welche Faktoren zu dem Völkermord von Srebrenica führten und was ihn motivierte, jahrelang zu den Tötungen und Vertreibungen zu recherchieren und zu publizieren.


Ende Juli erscheint sein Buch »Srebrenica. Chronologie eines Völkermords oder Was geschah mit Mirnes Osmanović«.

Um das Interview mit Matthias Fink zu lesen, klicken Sie hier.

In Ihrem Buch rahmen Sie die Darstellung des Massakers von Srebrenica mit der sehr eindringlichen Schilderung des Schicksals vom 14jährigen Mirnes Osmanović ein, der 14 Jahre vermisst blieb. Warum haben Sie diese Geschichten so miteinander verbunden?
Auf dem Friedhof für die Opfer dieses Kriegsverbrechens liegt eine gigantische Grabplatte mit 8.372 Namen. Das ist die offizielle Zahl der Opfer von Srebrenica. Frau Osmanović und ich haben all die Jahre versucht herauszufinden, was mit ihrem Sohn passiert ist. Mit der entsetzlichen Geschichte von Mirnes Osmanović bekommt die Grabplatte ein Gesicht und besteht nicht mehr allein aus in Stein gehauenen Namen, die dem Fremden nichts sagen.

Sie haben zu Bosnien-Herzegowina journalistisch gearbeitet und zunächst eine Vielzahl von Radio- und Zeitungsbeiträgen über die Ereignisse dort veröffentlicht. Was war für Sie die Motivation, über die Tötungen und Vertreibungen von Srebrenica ein Buch zu schreiben, das, zusätzlich zu den Recherchen vor Ort, fünf Jahre intensive Quellenarbeit bedeutet hat?
Für meine Radio- und Zeitungsbeiträge musste ich immer streichen, weglassen, kürzen. Ich war damit nicht zufrieden, weil man so weder den politischen Ereignissen noch den Erfahrungen der Menschen gerecht wurde. Mit dem Buchprojekt hatte ich Raum, die Geschichte in ihren ganzen Verästelungen auszuforschen und grundsätzlichen Fragen nachzugehen – nach den Tätern, nach dem Warum sowie nach Schuld und fatalen Versäumnissen.

Ihre Rekonstruktion der Vorgeschichte des Verbrechens und der Eskalation von Gewalt in Bosnien-Herzegowina zeigt, wie komplex die Lage war. Könnten Sie dennoch einige wichtige Faktoren nennen, die den Weg zu diesem Massenverbrechen bereitet haben?
Die jugoslawischen Auflösungskriege waren keine Glaubenskriege, sondern Verteilungskämpfe um Land, Städte, Industrien, Bodenschätze. Und daraus folgt alles, was in Bosnien-Herzegowina an fürchterlichen Dingen geschehen ist und mit einem Sammelbegriff benannt werden kann – die so genannten ethnischen Säuberungen: Terror, Vertreibung und am Ende der Tod, wenn die Menschen der Gewalt nicht weichen. Ein Srebrenica im Kleinen hatte es schon vor dem Juli 1995 unzählige Male gegeben. Auf Grund der hohen Opferzahlen war Srebrenica in dieser Reihe am Ende der absolute Tiefpunkt.

Neben anderen Dokumenten haben Sie Korrespondenzen, Tagebuchnotizen und Telefonmitschnitte von lokalen und internationalen Zeugen, Überlebenden und auch von Tätern ausgewertet und eigene Interviews geführt. Hat sich Ihre Perspektive auf die Ereignisse durch diese Quellen verändert?
Ich bin mir heute mehr denn je gewiss, dass den Menschen in Srebrenica nicht geholfen wurde, dass sie also geopfert wurden, um diesen elenden Krieg in Bosnien-Herzegowina endlich beenden zu können. Und durch meine Arbeit kam eine weitere Erkenntnis hinzu: Bei uns werden die bosnisch-serbischen Opfer in diesem Krieg um Srebrenica schlicht nicht zur Kenntnis genommen. Allein im Jahr 1992 wurden in den bosnisch-serbischen Dörfern über 1.200 Menschen durch bosniakische Kommandotrupps aus Srebrenica getötet. Und dieser Kriegsverbrechen hat sich das Jugoslawien-Tribunal der UNO nie angenommen. Eine Schande.

Was war Ihrer Ansicht nach das schlimmste Versäumnis, die verheerendste Fehlentscheidung der Regierung Bosnien-Herzegowinas oder der internationalen Gemeinschaft bzw. der UNO im Vorfeld der Geschehnisse in Srebrenica?
Die Regierung Bosnien-Herzegowinas hat keine Gegenoffensive ihrer Armee zugelassen, als die bosnischen Serben die Sicherheitszone überfielen. Die UNO hatte sich auf eine friedenserhaltende Mission festgelegt in einem Land, in dem es gar keinen Frieden gab, den man hätte erhalten können. Auf einen Frieden erzwingenden Einsatz wollte sich aber niemand einlassen. Und so kam es, wie es kommen musste. Nach über drei Jahren Krieg, mehr als hunderttausend Toten, Millionen von Flüchtlingen und einer völlig traumatisierten, ausgezehrten Bevölkerung wollten alle Beteiligten ein rasches Ende des Krieges. Srebrenica war dabei ein Hindernis, das aus der Welt geschafft werden musste, egal wie.

Weitere Informationen zu Matthias Fink, »Srebrenica« samt Bilddokumenten, Videomaterial und Leseprobe finden Sie hier.


Aktuell in den Medien - Jonas Kreienbaum


Gab es eine Kontinuität zwischen »Windhuk und Auschwitz«?

In »›Ein trauriges Fiasko‹. Koloniale Konzentrationslager im südlichen Afrika 1900-1908« hat Jonas Kreienbaum die Konzentrationslager der Briten und Deutschen im südlichen Afrika Anfang des 20. Jahrhunderts untersucht.

Kreienbaum geht es um Fragen, die von Historikerinnen und Historiker intensiv diskutiert werden: Sind in den Koloniallagern Genozide verübt worden? Und waren dies die Vorbilder für die KZs des NS-Regimes?

Angesichts des Massensterbens in den Kolonien gab es in Deutschland, im Gegensatz zu Großbritannien, keinen öffentlichen Aufschrei. Der Grund war aber vor allem Rassismus: »In den deutschen Lagern starben Schwarze, bei den Buren in den britischen Lagern handelte es sich um Weiße.«

Klicken Sie hier, um unser Gespräch mit dem Historiker Jonas Kreienbaum zu lesen.

Klicken Sie hier, um unser Gespräch mit dem Historiker Jonas Kreienbaum zu lesen.

Im Dezember 1904 befahl Reichskanzler von Bülow dem Oberbefehlshaber in Deutsch-Südwest, Lothar von Trotha, Konzentrationslager zu errichten »für die Unterbringung und Unterhaltung der Reste des Hererovolkes«. Warum haben Sie die Konzentrationslager in den britischen und deutschen Kolonien im südlichen Afrika untersucht?
Mich hat die seit etwa zehn Jahren intensiv geführte Debatte darüber, ob es einen direkten Zusammenhang zwischen kolonialer und nationalsozialistischer Gewalt gibt, enorm interessiert. Umstrittenen ist, ob eine mögliche Kontinuität lediglich von »Windhuk nach Auschwitz«, wie Jürgen Zimmerer es formuliert hat, untersucht werden muss — also nur mit Blick auf die deutsche Kolonialgeschichte — oder ob der europäische Kolonialismus insgesamt der Ausgangspunkt sein sollte. An den Konzentrationslagern, die mit im Zentrum der Kontinuitätsdebatte stehen und die um 1900 erst von Großbritannien in Südafrika und anschließend vom Kaiserreich im benachbarten Südwestafrika eingesetzt wurden, lassen sich die Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede europäischer Kolonialisierung meines Erachtens exemplarisch herausarbeiten. Das war der Ausgangspunkt für meine Forschung.

Was waren die wichtigsten Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Umgang Großbritanniens und Deutschlands mit den kolonialen Lagern bzw. mit den dort Internierten?
Beide Lagersysteme dienten zunächst einmal der Beendigung langwieriger Kolonialkriege. Die Briten internierten die Zivilbevölkerung ganzer Landstriche, um die burischen Guerillakämpfer zu isolieren. Deutschland nutzte die Lager eher wie Kriegsgefangenenlager und sperrte alle Gefangenen bzw. sich ergebenden Herero und Nama ein, darunter ebenfalls viele Frauen und Kinder, die systematisch zur Zwangsarbeit herangezogen wurden. Der größte Unterschied war die Reaktion auf das Massensterben in den Lagern. Während es im Vereinigten Königreich zu einem öffentlichen Aufschrei kam, nachdem die hohen Todesraten unter den burischen Internierten bekannt wurden, und umgehend massiv Ressourcen zur Verbesserung ihrer Lage bereitgestellt wurden, kam es in Deutschland zu keiner vergleichbaren Reaktion. Das lässt sich aber weniger mit einem grundsätzlichen Unterschied zwischen britischer und deutscher Kolonialpolitik erklären, als vielmehr mit dem zeitgenössischen Rassismus. In den deutschen Lagern starben Schwarze, bei den Buren in den britischen Lagern handelte es sich um Weiße. Jene Afrikaner, die in Südafrika in einem separaten Lagersystem in ähnlicher Anzahl starben wie die Buren, lösten in der britischen Öffentlichkeit keinerlei Reaktion aus und ihre Lebensbedingungen wurden auch kaum verbessert.

Waren die von Ihnen untersuchten kolonialen Lager Vorläufer der nationalsozialistischen Konzentrationslager?
Nein, dafür spricht sehr wenig. Die kolonialen Lager waren primär militärische Mittel zur Beendigung langwieriger Kolonialkriege. Die NS-Konzentrationslager hingegen entstanden zunächst als innenpolitische Instrumente zur Bekämpfung politischer Opposition und wiesen auch im Verlauf ihrer rasanten Veränderungen nur wenige Gemeinsamkeiten mit den kolonialen Lagern auf. Eine signifikante Ausnahme war die Vermietung von Internierten als Zwangsarbeiter an Unternehmen, die sowohl in Südwestafrika als auch ab 1942 in Nazi-Deutschland praktiziert wurde. Dennoch ist ein Lernprozess zwischen »Windhuk und Auschwitz« sehr unwahrscheinlich. Erstens boten die kolonialen Lager kaum Lektionen an, die die Nazis hätten lernen können. Zweitens waren die deutschen Koloniallager nie sonderlich bekannt gewesen und in den 1930er Jahren weitgehend vergessen. Daher wundert es drittens nicht, dass die historische Forschung bisher kaum handfeste Belege für eine direkte Beeinflussung finden konnte.

Anlässlich des Gedenkens an den Massenmord an den Armeniern vor 100 Jahren wurde deutlich, wieviel Brisanz in der Verwendung des Begriffs Genozid steckt. Wie sehen Sie das in Bezug auf die Ereignisse in den britischen und deutschen Koloniallagern?
Aus Sicht historischer Forschung ist der Genozid-Begriff sehr schwierig und es gibt endlose Debatten um mögliche Definitionen. Gemäß den meisten Definitionen war das deutsche Vorgehen in Südwestafrika 1904 zweifelsohne ein Völkermord. Das gilt allerdings nicht für die 1905 errichteten Lager, die in Berlin als eine Abkehr von der vorherigen Vernichtungspolitik verstanden wurden. Es starben in den Lagern — in Süd- wie Südwestafrika — Abertausende Menschen, aber das entsprang nicht einer gezielten Vernichtungsabsicht der jeweiligen Kolonialmacht. Damit fehlt das zentrale Kriterium, um von Genozid sprechen zu können. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass es sich um eine menschenverachtende Politik handelte.


Jan Philipp Reemtsma erhält den Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig 2015

Am 26. Juni wird Jan Philipp Reemtsma im Rahmen eines Festaktes in der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig der Gutenberg-Preis der Stadt Leipzig verliehen. Die Laudatio hält Wallstein-Verleger Thedel von Wallmoden.
Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird im jährlichen Wechsel mit dem Gutenberg-Preis der Stadt Mainz und der internationalen Gutenberg-Gesellschaft verliehen.

Gleichzeitig präsentiert das Deutsche Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek eine Auswahl an Publikationen, die Jan Philipp Reemtsma finanziert, befördert, inititiiert, betreut, herausgegegeben und verfasst hat, also auch Werke, die in der Hamburger Edition erschienen sind.


Europa ohne Grenzen?

Die rigide Abschottung der EU nach außen, die derzeit aufgrund der unzähligen Toten im Mittelmeer sehr umstritten ist, steht im starken Widerspruch zu der vielgenannten These, dass in postsouveränen Systemen territoriale Markierungen zunehmend bedeutungslos würden.
Ob das Zeitalter territorialer Herrschaft wirklich der Vergangenheit angehört und wir irgendwann in einem Europa ohne Grenzen leben werden, wird in dem aktuellen Sammelband »Postsouveräne Territorialität. Die Europäische Union und ihr Raum«, herausgegeben von Ulrike Jureit und Nikola Tietze, erhellend diskutiert.

Mehr zu Ulrike Jureit / Nikola Tietze (Hg.), »Postsouveräne Territorialität«


»Großes Plädoyer gegen die Vergötzung der allseitigen Einsichtnahme«

So bezeichnet Klaus Hansen das Buch von Jacques de Saint Victor, »Die Antipolitischen« in seiner lobenden Rezension auf socialnet.de.
»Es trägt alle Merkmale eines klugen Essays, ist brillant geschrieben und ein Lesevergnügen.«
Eine uneingeschränkte Empfehlung an alle, die sich für die Phänomene Web-Populismus, Politikverdrossenheit und direkter Demokratie interessieren.

Die ganze Rezension lesen Sie hier.

Mehr zu Jacques de Saint Victor, »Die Antipolitischen«


Unsere Neuerscheinungen Frühjahr 2015 sind jetzt lieferbar


Heinz Bude im Disput mit Jutta Allmendinger

Der Makrosoziologe Heinz Bude diskutiert mit Jutta Allmendinger, der Präsidentin des Wissenschaftszentrums
Berlin für Sozialforschung unter anderem die Frage, wie politisch die Angst ist, die er in seinem Buch »Gesellschaft der Angst« beschreibt. Die Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung fand am 18. März 2015 in Berlin statt.


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