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Politische Theorie in der Krise

Heft 2/2016 der Zeitschrift »Mittelweg 36« hat das Schwerpunktthema »Politische Theorie in der Krise« und ist Anfang April erschienen.

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Neuerscheinungen

Informationen zu den Neuerscheinungen der Hamburger Edition im Frühjahr 2016 finden Sie auf den Seiten des Verlags.

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Veranstaltungsreihe

In vier Vorträgen und einer Podiumsdiskussion wird gefragt, wie politisches Handeln unter den Bedingungen gefährdeter Ordnung zu gewährleisten ist.

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Regina Kreide

Das Schweigen des politischen Liberalismus

Europa wird von Terroranschlägen erschüttert und von Kriegsschauplätzen umzingelt. Flüchtlinge sterben an den Außengrenzen des Kontinents oder campieren, zusammengepfercht in Lagern, in der Türkei, im Libanon, im Jemen oder – freilich sind das die wenigsten – in einigen Ländern Europas. Die Finanzkrise, eben noch das beherrschende Thema in den Medien, in der Politik und am Stammtisch, erscheint im Vergleich dazu wie ein Schnupfen – lästig, aber eine harmlose und flüchtige Angelegenheit.
Die schöne, ruhige Welt, in der wir uns behaglich eingerichtet hatten, zeigt uns nun ihre bisher verdrängte gewalttätige Seite. Die etablierte politische Theorie jedoch schweigt zu diesen Themen – ratlos, ungläubig, hilflos. Liegt das an den unerklärbaren Umständen? Oder womöglich an der Theorie selbst? Was ist passiert mit der wissenschaftlichen Disziplin, die für sich in Anspruch nimmt, über die Legitimität politischer Ordnungen Auskunft geben zu können? Träumt sie, mit Immanuel Kant gefragt, den süßen Traum des ewigen Friedens? (...)


Jörg Schaub

Luftschloss Liberalismus

In den politischen Diskursen unserer Zeit ist der Begriff »Krise« allgegenwärtig. (...)  Politische Krisen können (a) die Form normativer Krisen annehmen. Sie (...) können außerdem (b) die Form praktischer Krisen annehmen. (...) Für Krisenerfahrung ist aber nicht nur die Dimension der (normativen und/oder praktischen) Desorientierung charakteristisch, sondern auch die »Zeitnot«. Als krisenhaft erscheinen Entscheidungssituationen, in denen wir uns gezwungen sehen, trotz andauernder Desorientierung eine Positionierung vorzunehmen und damit deren ungewisse Konsequenzen zu tragen. In diesem Aufsatz möchte ich untersuchen, wie der – in akademischen Kreisen dominante – politische Liberalismus (wie er in paradigmatischer Weise von John Rawls formuliert worden ist) mit politischen Krisen umgeht. Was kann gemäß dem politischen Liberalismus überhaupt als Krise gelten? Und mit welchen theoretischen Strategien begegnet der politische Liberalismus normativen und praktischen Krisen? (...)


Frieder Vogelmann

Liberale Subjekte.  Eine affirmative Streitschrift

Der Vorwurf, die politische Theorie schweige zu aktuellen politischen Konflikten, ist alt, aber nicht überholt: Wo sind die Themenhefte einschlägiger Zeitschriften für politische Theorie, die etwa den lauwarmen Krieg in der Ukraine, den mit mörderischer Konsequenz betriebenen Umbau des Nahen Ostens nicht nur durch den sogenannten »Islamischen Staat« oder die Installation eines europäischen Strafregimes gegen Griechenland, an der die bundesrepublikanische Regierung maßgeblich beteiligt war, daraufhin untersuchen, was die gängigen politischen Theorien zu derartigen Konflikten eigentlich mitzuteilen haben? Wie ist dieses Schweigen zu verstehen, wenn die politische Theorie ihre Begriffe doch als »diagnostische Werkzeuge « verstanden wissen will, die politische Auseinandersetzungen unserer Zeit deuten und vielleicht sogar in einem neuen Licht erscheinen lassen können? (...)

Martin Nonhoff

Krisenanalyse und radikale Theorie der Demokratie

(...) Um es gleich zuzuspitzen: Liberale Politik ist ordentliche, eingehegte Politik. Für die Einhegung werden im liberalen politischen Denken insbesondere zwei Mittel bevorzugt: Das erste Mittel liegt auf der methodischen Ebene und besteht darin, die Theorie so anzulegen, dass sie sich um Prinzipien herum als ideale Theorie entfalten lässt. Das zweite Mittel liegt hingegen auf der substanziell-praktischen Ebene, wo vor allem die Instrumente der Verfassung, des Rechts und des öffentlichen Vernunftgebrauchs ins Zentrum der Argumentation rücken. Folglich kann das Problem einer von Krisen erschütterten Politik nur sehr eingeschränkt wahrgenommen und theoretisch bearbeitet werden. Ich möchte nun zunächst die Formen der Einhegung von Politik etwas genauer skizzieren, um das liberale Modell der Ordnung der Welt genauer in den Blick zu bekommen. Es geht mir dabei um drei Aspekte: die Finalität, die Verfasstheit und den Modus der Politik. Ich stütze mich vor allem auf die prominenteste Ausprägung des liberalen Denkens in der jüngeren Vergangenheit, nämlich die Gerechtigkeitstheorie von John Rawls. (...)

 


Frank Nullmeier

Politische Theorie des Komparativs. Soziale Vergleiche und gerechte Gesellschaft

(...) Wenn sozialkomparative Orientierungen gleich welcher Ausprägung in der Grundlegung der Politischen Theorie nicht auftreten, werden zentrale Merkmale des Sozialen und des Politischen aus der Theoriebildung exkludiert. Eine Politische Theorie, die weder Neid noch Streben nach Vorrang, weder Hass noch den Willen zur Wahrung seines Status kennt, wird generell keinen Zugang zu politischen Konflikten gewinnen, sondern nur Lösungen für einen Zustand liefern, in dem wesentliche Mechanismen der Konflikterzeugung bereits als ausgeschaltet gelten können. Eine solche Politische Theorie wird auch keinen Zugang zu den politischen Dynamiken gewinnen, die über die reale Möglichkeit normativ erstrebenswerter Zustände entscheiden. (...)


Das vollständige Inhaltsverzeichnis sowie Leseproben der Ausgabe 2/2016, »Politische Theorie in der Krise«, finden Sie hier.