Heft 1 - Februar/März 2004

Vergangenheitsbewältigung

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Weitere Hefte zu "Vergessen & Erinnern"

Seite 1: »Ich widerspreche mir selbst?«


Bilder: les mots et les choses


Ulrike Jureit

»Zeigen heißt verschweigen.«. Die Ausstellungen über die Verbrechen der Wehrmacht

Am 28. März 2004 wird die zweite Ausstellung des Hamburger Instituts für Sozialforschung über die »Verbrechen der Wehrmacht« endgültig schließen und damit nach neun Jahren ein Projekt enden, das die gesellschaftliche, politische und wissenschaftliche Diskussion über die nationalsozialistische Vergangenheit Deutschlands nachhaltig mitgeprägt hat. Als die erste Ausstellung »Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944« am 5. März 1995 eröffnet wurde, ahnte wohl niemand, daß sie in den nächsten Jahren eine lang anhaltende, hoch emotional und extrem kontrovers geführte Debatte über die Beteiligung der Wehrmacht an Kriegsverbrechen auslösen würde.
Retrospektiv überrascht diese Entwicklung weitaus weniger. Seit dem Historikerstreit 1986 stand nicht nur die Frage nach der Einzigartigkeit der nationalsozialistischen Judenvernichtung im Mittelpunkt geschichtswissenschaftlicher Debatten, sondern zunehmend auch die Erforschung der für den Holocaust und andere Massenverbrechen verantwortlichen Tätergruppen. So nimmt die Täterforschung seither die an Verbrechen beteiligten Akteure in den Blick und fragt im Unterschied zu strukturalistisch orientierten Studien nach individueller und kollektiver Zustimmung, Mitwirkung und Verantwortung.

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»Ich habe doch nichts gemacht.«. Ruandas Abschied von der Kultur der Straflosigkeit


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Schön unscharf. . Über die Konjunktur der Familien- und Generationsromane


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Aspekte massenkultureller Vergesellschaftung


Autorenverzeichnis


Michael Wildt

»Gemeinnutz geht vor Eigennutz.«. Ein kurzer Nachtrag zur Hohmann-Rede


Aus der Protest-Chronik


 
Pressestimmen
»Harald Welzer, der die familiäre Überlieferung in der Bundesrepublik erforscht, hat in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift Mittelweg 36 die jüngere Literatur zur NS-Geschichte gesichtet. (...) Bald sechzig Jahre nach Kriegsende explodiert die Nazi-Geschichte wieder, diesmal im Familienroman. Welzer sieht die ›unscharfen Bilder‹, die für Ulla Hahns Roman titelgebend wurden, als emblematisch für die Gattung: Familienerinnerungen, so argumentiert er, belehren einen darüber, ›dass ein innerfamiliales Erinnerungsvermögen prinzipiell die unscharfen Bilder der Rollen und Handlungen von Familienangehörigen in Zeiten des Tötens vorzieht. Es sind die konturlosen, vagen, eben unscharfen Bilder, die in Gestalt widersprüchlicher, nebulöser, fragmentierter Geschichten im Familiengedächtnis niedergelegt sind.«
Süddeutsche Zeitung, 8. März 2004