Heft 6 - Dezember/Januar

Stolz und Vorurteile

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Ulrich Bröckling

Man will Angst haben

Es bedarf keiner besonderen hermeneutischen Fähigkeiten, um festzustellen, dass bei denjenigen, die derzeit am lautesten von den Ängsten der Menschen und dem drohenden Untergang des deutschen Volkes schwadronieren, eher Aggression als Angst am Werk ist. Ihr Brüllen verrät sie. Angst ist das Argument, in das sie ihren Hass gegen die Flüchtlinge und ihre Wut gegen die etablierte Politik kleiden.

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Wolfgang Knöbl

Über alte und neue Gespenster

Zu einer gewissen Abklärung und Nüchternheit kann ein Rückblick auf längst vergangene Debatten in der Soziologie und Politikwissenschaft insofern beitragen, als er zu zeigen vermag, dass Populismen seit den 1950er-Jahren wiederholt aufgetreten und sogleich auch sozialwissenschaftlich diskutiert worden sind. So etwas wie einen liberal-demokratischen Normalfall oder gar ein goldenes Zeitalter liberaler Demokratie ganz ohne populistische Herausforderungen wird man folglich nur konstatieren, wenn der eigene Blickwinkel von vornherein stark eingeengt und verkürzt ist.

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Grit Straßenberger

Linkspopulismus als Gegengift?

Aber haben die Krisendiagnostiker auch eine Antwort auf die Frage, wie der rechtspopulistischen Infragestellung der liberal-demokratischen Ordnung begegnet werden kann? Chantal Mouffe, die hierzulande vielleicht prominenteste Vertreterin der radikal-pluralistischen Demokratietheorie, hat in diesem Zusammenhang unlängst den Vorschlag unterbreitet, dem erstarkten Rechtspopulismus einen Linkspopulismus entgegenzusetzen.

Katharina Bluhm

Machtgedanken

Während den russischen Konservativen ihr Bild von Europa und »dem Westen« (einmal mehr) zum Entwurf einer russischen Alternative dient, bildet umgekehrt das Russlandbild der europäischen Rechten einen wesentlichen Bestandteil ihres Gegenentwurfs eines Europas ohne Europäische Union.

Samuel Salzborn

Vom rechten Wahn

Die Verschwörungskampagne zielt darauf, politische und gesellschaftliche Entwicklungen der rationalen Betrachtung zu entziehen und stattdessen die Emotionalität und Affekthaftigkeit des Politischen zu steigern, ist doch ihr Grundmotiv, dass hinter diesen Entwicklungen unbekannte, unfassbare, omnipotente Mächte vermutet werden, die stets im Verborgenen agieren und die Agenden der sichtbaren politischen Akteure insgeheim steuern.

Berliner Colloquien zur Zeitgeschichte

Armin Nolzen

»Ganz normale Organisationen«

Der Faktor »Organisation«, so könnte man pointiert formulieren, war (...) eine notwendige Bedingung für den Massenmord an den europäischen Juden. Und Stefan Kühl geht noch weiter, indem er vom Hamburger Reserve-Polizeibataillon 101 als einer »ganz normalen Organisation« spricht und den Holocaust als arbeitsteilige Kooperation ähnlicher Apparate begreift.
Michaeala Christ

Die Praxis der Organisation

Indem er Organisationen als Einheiten in den Blick nimmt, von denen Gewalt ausging, und analysiert, durch welche Eigenheiten, Funktionsmechanismen und Strukturmerkmale sie sich auszeichneten und auf welche Weise sie gewalttätiges Verhalten beförderten, bietet der Autor einen Erklärungsansatz für die massenhafte Beteiligung am Holocaust an, der weder auf das situationsspezifische Handeln rekurriert noch auf die Persönlichkeitsstruktur der einzelnen Protagonisten – etwa deren normative Werthaltungen oder politische Einstellungen.

Gerd Hankel

»So geht es nicht!«

Am 28. September 2015 ging in Deutschland der erste Prozess nach dem Völkerstrafgesetzbuch zu Ende. (...) Wie nach dem ersten Praxistest des deutschen Völkerstrafgesetzbuchs zu erwarten, ist das Urteil intensiv kommentiert worden. Erhöht wurde die Aufmerksamkeit, die dem Verfahren in Stuttgart zuteilwurde, noch durch vier Worte, die der Vorsitzende Richter Jürgen Hettig nach Verlesung der Urteilsformel und vor der mündlichen Urteilsbegründung äußerte: »So geht es nicht!«

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Aus der Protestchronik: 3. Oktober 2016, Warschau

Die meisten der Demonstrantinnen sind ganz in Schwarz gekleidet. Auf ihren Transparenten sind unmissverständlich-provokative Parolen zu lesen wie »Mein Hintern gehört mir – nicht dem Bischof«, »Stoppt die Fanatiker an der Macht«, »Wir brauchen Behandlung durch Ärzte, nicht durch den Vatikan« und, in Umkehrung einer bekannten kirchentreuen Losung, »Abtreibung – zum Schutz des Lebens«.

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