Im Nebel des Krieges

40 Jahre HIS
Im Jahr 2024 feiert das Hamburger Institut für Sozialforschung (HIS) sein 40jähriges Bestehen. Wir nehmen dies zum Anlass, um unter anderem die Gewaltforschung, die über all die Jahre ein zentrales Beschäftigungsfeld für viele Institutsmitglieder war und noch ist, mit dieser Vorlesungsreihe stärker in den Vordergrund zu rücken, zumal es auch aktuelle Gründe hierfür gibt, nämlich den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Dabei wird der Zugriff auf das Thema »Krieg« – typisch für das HIS – ein interdisziplinärer sein, was auch bedeutet, dass Mitglieder anderer Forschungsgruppen am HIS ihre Expertise in die Analyse des Phänomens Krieg mit einbringen. Die Kontinuität und Dynamik von Krieg und Gewalt in modernen Gesellschaften werden dabei ebenso zum Thema wie die Folgen des Krieges für Staatlichkeit und Demokratie, die Rolle der Geldpolitik für die Kriegsführung oder die oft wenig beachteten rechtlichen Kontexte militärischer Auseinandersetzungen.

Vortragsreihe Im Nebel des Krieges
Die Rückkehr des Krieges nach Europa hat nicht nur die Sicherheitsordnung des Kontinents erschüttert, sondern auch lang gehegte Deutungen und Erklärungsmuster. Wie konnte es zu dem russischen Angriff auf die Ukraine kommen? Welche Gewaltdynamiken hat der Krieg entfesselt? Aber auch: Warum haben uns die Ereignisse  dermaßen überrascht?
In der Beobachtung sich beschleunigender Entwicklungen richtet sich der Blick oft auf das unmittelbar vor uns Liegende: Aktuelle Frontbewegungen, Militärtechnik, mitunter die zivilen Opfer besonderer Gräueltaten. Aber so wichtig gut informierte Analysen zum aktuellen Geschehen auch sind, die sozialen und politischen Prozesse kriegerischer Gewalt, ihre transformativen Effekte, aber auch die Voraussetzungen und Grenzen wissenschaftlicher Erkenntnis geraten dabei aus dem Blick. Die Vortragsreihe »Im Nebel des Krieges« greift diese Deutungskrise auf. In historischen Studien und Analysen des aktuellen Kriegsgeschehens nehmen die Beiträge grundlegende Fragen von Krieg und Gewalt in den Blick, reflektieren Betrachtungsweisen und Forschungsperspektiven. Krieg ist nicht losgelöst von Prozessen nationalstaatlicher Ordnungsbildung zu verstehen; ebenso wenig ohne die emotionale Dynamik der Gewalt und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen, die Erinnerung, Traumata und »Kriegsverdrängung« im Nachkrieg. Und die Forschung muss sich die Frage gefallen lassen, inwiefern es einer »Zeitenwende« auch in der sozialwissenschaftlichen Erklärung kriegerischer Gewalt bedarf.

16. Okt. 2023 —19 Uhr
Michael Mann
Are Wars Rational?

7. Nov. 2023 —19 Uhr
Podiumsdiskussion mit Nicole Deitelhoff, Wolfgang Knöbl und Klaus Schlichte
»Kriegsverdrängung«

6. Dez. 2023 —19 Uhr
Peter Geimer und Marion G. Müller
Bilder aus dem Nebel des Krieges
— Im Gespräch mit Thomas Hoebel

16. Jan. 2024 —19 Uhr
Siniša Malešević
Why Soldiers Kill. The Emotional Dynamics of Battlefield Experiences
— Im Gespräch mit Stefan Malthaner

6. Feb. 2024 —19 Uhr
Isabel Käser
Thinking Militant Femininity Beyond the Battlefield — Kurdish Women’s Trajectories in and out of Armed Conflict
Moderation: Laura Wolters

13. März 2024 —19 Uhr
Norbert Frei
»Kriegsverurteilt.« — Verdrängen und Erinnern in der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft

2. April 2024 —19 Uhr
Aaron Sahr
Geld in militärischen Konflikten — Über monetäre Kriegsführung und die Zukunft globaler Zahlungssysteme

18. April 2024 —19 Uhr
Svenja Goltermann
Trauma, welches Trauma? Psychiatrische Konzepte und die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg

7. Mai 2024 —19 Uhr
Valeria Lazarenko
Researching War during War (from the »Insider Perspective«)

3. Juli 2024 —19 Uhr
Valentin Feneberg
Militärdienstverweigerung als Asylgrund
— Im Gespräch mit Laura Affolter