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Die Forschungsgruppe arbeitet an einer neuen Perspektivierung des Verhältnisses von Demokratie und Staatlichkeit in Europa. Mit einem historischen, soziologischen und politisch theoretischen Zugang nehmen wir Regionen in Europa, insbesondere an den südlichen Rändern, vergleichend in den Blick und stellen altehrwürdige Fragen neu: Welche Formen von Demokratie waren in Europa historisch erfolgreich? Welches Modell von Staatlichkeit hat sich mit diesen Demokratien etabliert? In welchem Verhältnis stehen Demokratie und Staatlichkeit zueinander, und welche Rolle spielen dabei Vorstellungen von Nation und Marktwirtschaft? Wie interagieren unterschiedliche Modelle von Demokratie und Staatlichkeit im supranationalen, europäischen Rahmen?

Unsere Untersuchungen sind theoretisch und methodisch offen: Wir fragen nach den herrschaftssoziologischen Effekten von Steuererhebung und von Steuerregimen für staatliche Legitimation, wir problematisieren mit Blick auf korporatistische Traditionen die Vorstellung eines positiven Zusammenhangs von Marktwirtschaft und Demokratie, wir suchen nach ideengeschichtlichen Pfadabhängigkeiten von Rechtsstaatlichkeit in Europa oder nach dem Einfluss veränderter Körperregime auf die Herausbildung demokratischer Imaginationen und Praktiken. Der zeitliche Schwerpunkt liegt auf dem 20. Jahrhundert, aber auch das 19. Jahrhundert, das wesentlich für die Herausbildung nationaler Staatlichkeit war, gerät in den Blick.

Der Staat spielt in diesen Diskussionen um Europa als Sammelbezeichnung für Modi der politischen Selbstkonditionierung von Gesellschaft eine entscheidende Rolle. Im Kontext der Krise des Euro und der EU erweist sich zumal der Nationalstaat erneut - trotz gegenteiliger Prognosen - als wesentlicher Ort politischer Intervention. So wird der Staat aber auch erneut zu einem zentralen Desiderat der politischen Analyse und der historischen Forschung. Gerade die Debatten über die politischen Krisen Europas zeigen, dass sich die Frage nach der demokratischen Legitimität und den unter Umständen gefährdeten Handlungsspielräumen für faktische Selbstregierung nicht abstrakt verhandeln lässt. Es sind die alten Kategorien von Herrschaft, Legitimation und Staatlichkeit, die hier nach wie vor zentral sind, weil sie ins Zentrum der Fragen führen, ob und wie politische Repräsentation in modernen Gesellschaften möglich ist, ob sich in jüngster Zeit diesbezüglich entscheidende Veränderungen eingestellt haben und mit welchen Wendungen in Zukunft gegebenenfalls zu rechnen ist.

Die Analysen unserer Forschungsgruppe verhandeln das Verhältnis von Staatlichkeit und Demokratie in konkreten Kontexten ganz neu. Der vergleichende Zugriff auf unterschiedlichste Regionen im Verlauf von zwei Jahrhunderten sensibilisiert für national vielfältige Staats- und Rechtstraditionen und schärft den Blick für historisch gewachsene und durchaus variable Verzahnungen von Wirtschaft und Politik. So entsteht ein komplexes Bild demokratischer Praktiken und Legitimationsstrategien. Ein solcher Zugriff stellt auch die zunehmend schärfer werdenden öffentlichen Diskussionen über vermeintliche "Sonderwege" und "Versäumnisse" in einigen Regionen Europas auf eine solidere Grundlage. Mit unseren Untersuchungen eröffnen wir so das Feld für eine historisch und soziologisch informierte Debatte über die Entstehungsbedingungen europäischer Politik sowie über die Bedingungen ihres Fortbestehens.

Mitglieder der Forschungsgruppe Demokratie und Staatlichkeit

Lars Döpking

Steuern, Demokratie und Staatlichkeit

Eine Fallstudie zur Transformation des italienischen Steuerstaats

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Clara Maier

Rechtsstaatlichkeit in Europa

Die deutsche, spanische und italienische Politiktradition in vergleichender Perspektive.

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Philipp Müller

Ränder der Demokratie

Koordinierter Kapitalismus in West- und Südeuropa

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Hedwig Richter

Körpergeschichte der Demokratie

Schutz des Leibes, Materialität und nationalstaatliche Biopolitik

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