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Die Forschungsgruppe Monetäre Souveränität widmet sich der komplexen Beziehung zwischen Geld und Politik. Sie vereint Forschungsprojekte, die sich mit der politischen Ökonomie des Geldes in historischer oder gegenwartsbezogener Hinsicht befassen und dabei ihren Schwerpunkt auf die Theoriebildung und Theorieentwicklung legen.

Geld wird bei uns also nicht als rein funktionaler Katalysator für Markthandel betrachtet, sondern als eine sich historisch wandelnde und stets konfliktgetränkte soziale Formation. Damit rückt die Geldforschung am HIS gesellschaftliche Konflikte um die Ausgestaltung monetärer Ordnungen in den Mittelpunkt. Die namensgebende „Monetäre Souveränität“ dient dabei als Chiffre für die Analyse von Autonomiegraden und Abhängigkeitsverhältnissen. Die Forschungsprojekte eint die Frage, wie und wodurch im Wandel monetärer Ordnungen auf lokaler, nationaler oder internationaler Ebene Handlungsspielräume, -zwänge und -beschränkungen für unterschiedliche Akteure, soziale Gruppen, Klassen, Länder oder Regionen entstehen. Damit begreift die Forschungsgruppe „Geldpolitik“ nicht als technisches Hoheitsgebiet unabhängiger Zentralbanken, sondern als Arena politischer Gestaltungskämpfe um die Verteilung von Lebenschancen, in der gesellschaftliche Konfliktlinien und Machtasymmetrien – etwa Klasse, Geschlecht, Gesellschaft/Individuum, Öffentlich/Privat oder Zentrum/Peripherie usw. – manifestiert, reproduziert oder verändert werden.

Anlass für eine kritische Befragung der Beziehung(en) zwischen Geld und Politik gibt es derzeit genug: die Rückkehr der Inflation und die Überforderung der Zentralbanken, die Digitalisierung monetärer Infrastrukturen von Bitcoin über FinTechs bis zu CBDCs, die geopolitische Herausforderung der Dollardominanz und das Szenario fragmentierter Zahlungssysteme in einem globalisierten Weltmarkt, die Verwerfungen privater und öffentlicher Geldschöpfung und ihrer differenten Freiheitsgrade und Restriktionen, die Konstitution und Perspektive der Trennung von Geld- und Fiskalpolitik im Angesicht klimatischer, ökonomischer und sozialer Herausforderungen, die Abschottung monetärer Kapazitäten von demokratischen Willensbildungsprozessen oder, allgemeiner, die Zukunft monetärer Institutionen und Praktiken in Zeiten multipler Krisen.

Solche Turbulenzen des geldpolitischen Feldes verlangen nach theorie- und geschichtssensibler Analyse und kritischer Einordnung. Die aufgezählten Phänomene sollen dabei keineswegs einen fixen Rahmen möglicher Forschungsthemen der Gruppe festlegen, sondern die Perspektive verdeutlichen: Wir sind an der Entwicklung der Geldverhältnisse als einer politischen Geschichte interessiert, legen Wert auf eine differenzierte Theoriebildung und die öffentliche Relevanz unserer Forschung.

Mitarbeitende der Forschungsgruppe Monetäre Souveränität

Carolin Müller M.A.

Die Herstellung und Veränderung souveräner Kreditwürdigkeit in der Eurokrise

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Gabriel Popham M.A.

Money and Territoriality: Complementary Currencies and the Construction of Local Sovereignty in Italy

Mehr erfahren (in Englisch)

Prof. Dr. Aaron Sahr, aktueller Sprecher der Forschungsgruppe

Perspektiven einer beziehungstheoretischen Soziologie des Geldes

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