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Als das Hamburger Institut für Sozialforschung Mitte der 1980er Jahre gegründet wurde, ging es auch darum, alternatives Wissen zu produzieren, Probleme aufzugreifen, die von den staatlich-akademischen Institutionen vernachlässigt oder bewusst ignoriert worden sind, also Sozialforschung auf eine Art zu betreiben, die sich den eingefahrenen Routinen herkömmlicher Forschungspraxis entzog. Dieses Gründungsanliegen ist heute noch so aktuell wie vor 30 Jahren.
Dabei definiert das HIS seine Forschungsagenda selbst – und zwar unabhängig von Drittmittelzwängen, politischen Vorgaben und Theoriemoden! Vertreterinnen und Vertreter verschiedener geistes- und sozialwissenschaftlicher Disziplinen bearbeiten relevante Gegenwartsfragen, wobei insbesondere die Soziologie und die Geschichtswissenschaft eine zentrale Rolle spielen. Betrieben wird eine ‚historisch informierte Sozialwissenschaft‘, die es sich zur Aufgabe macht, zentrale Konfliktfelder moderner Gesellschaften in einer theoretisch anspruchsvollen und – wann immer möglich – komparativen Perspektive zu definieren und zu analysieren. Phänomene der (vergangenen und gegenwärtigen) Makro-Gewalt stehen hierbei derzeit ebenso im Mittelpunkt wie die aktuellen Probleme von Demokratie und Staatlichkeit oder die Struktureigentümlichkeiten des gegenwärtigen Kapitalismus.
Forschung am HIS zielt nicht auf die Akkumulation immer kleinteiliger werdenden Wissens. Gerade der dezidiert interdisziplinäre Charakter des Instituts und die große Bereitschaft zur Theoriearbeit fördern einen spezifischen Zuschnitt von Projekten, der auf größere theoretische Zusammenhänge zielt und den blanken Empirismus meidet und der es gerade dadurch erlaubt, dass Forschungsergebnisse des HIS oft auch von der nicht-wissenschaftlichen Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Dass dies so erfolgreich geschehen kann, ist insbesondere der Ausrichtung der Hauszeitschrift („Mittelweg 36“) und dem Hausverlag („Hamburger Edition“) zu verdanken, in denen die Forschungsergebnisse des HIS veröffentlicht werden.