Bewegte Zeiten. Eine Geschichte der Neuen Sozialen Bewegungen in der Bundesrepublik (1949-1989)

Seit ihrer Gründung wird die politische, soziale und kulturelle Entwicklung der Bundesrepublik vom Protest der Neuen Sozialen Bewegungen begleitet. Im öffentlichen Bewusstsein markieren die Jahre 1967/68 nicht nur den Beginn einer Welle von Protestereignissen, sondern auch einen fundamentalen Wandel soziokultureller Werte. Demgegenüber sind die frühen Aktivitäten der Friedensbewegung, die sich in den unmittelbaren Nachkriegsjahren gegen die Wiederbewaffnung und Westbindung richteten weitgehend in Vergessenheit geraten; überschattet vom rebellisch-bunten Aufbruch der Studentenbewegung zwei Jahrzehnte später. Die in den 1970er- und 1980er-Jahren folgende Ausdifferenzierung der Neuen Sozialen Bewegungen in verschiedene Themen- und Aktionsfelder ist auf den ersten Blick kaum mehr zu überschauen. Sie reichten vom Feminismus, Antifaschismus und Internationalismus, über das Engagement für soziale Randgruppen, die Kritik am Überwachungsstaat und der kapitalistischen Verwertungslogik bis hin zur Hausbesetzer- und Ökologiebewegung – um nur einige Stichworte zu nennen.

Die zur Zeit in der Konzeptionsphase befindliche Studie setzt sich eine problemorientierte Analyse zentraler Entwicklungsdynamiken der Neuen Sozialen Bewegungen von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis zur Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten 1989 zum Ziel. Dies soll anhand ausgewählter Akteursgruppen und Ereignisse geschehen. Theoretisch knüpft das Projekt an die Debatten über Temporalität in der Bewegungsforschung an und versucht sie um interdisziplinäre Perspektiven zu erweitern.