Gewalt in Friedensprozessen

Forschungsgruppen - Makrogewalt
Projektstart: November 2015

Auch nach der formalen Beendigung gewaltsam ausgetragener Konflikte und im Verlauf der Durchsetzung einer Friedensordnung ist sowohl das Fortdauern von Gewaltphänomenen wie auch das Auftreten neuer Gewaltstrukturen und -formen zu konstatieren – in der Transition entsteht eine neue Gewaltordnung. In Post-Konflikt Kontexten müssen vor allem Legitimationen und Befugnisse für den Einsatz von (staatlicher und nicht-staatlicher) Gewalt neu ausgehandelt werden. Diese Aushandlungsprozesse gehen häufig mit neuen Gewaltakten einher, denn unterschiedliche Akteure richten sich entweder gegen die neue Gesellschaftsordnung, oder sie setzen Gewalt ein, um alternative Gesellschaftsentwürfe durchzusetzen.

Dieses Forschungsprojekt widmet sich mittels empirischer, ethnologischer Feldforschung der Untersuchung von Gewaltstrukturen während der Friedensprozesse in Nordirland und Sri Lanka. Wie moduliert Gewalt auf unterschiedlichen gesellschaftlichen Ebenen Transformationsprozesse im Nachkrieg?

Analysiert wird das Zusammenspiel der gesellschaftlichen Makro- und Mikroebene anhand unterschiedlicher, jeweils endemischer, Ordnungen in Institutionen, in Grassroot-Organisationen wie Bürgerforen sowie in lokalen Gemeinschaften. Zuvorderst sollen die Prinzipien und Politiken sowie die Regelkonformität supranationaler Agenten, Netzwerke und Strukturen der Makroebene dargelegt werden, die an der Implementierung einer liberalen Friedensordnung beteiligt sind. Mit deren Ordnungsentwürfen spielt die Fähigkeit lokaler Akteure, Netzwerke und Strukturen auf der Mikroebene, alternative Ordnungen zu etablieren bzw. Interventionen von außen zu ignorieren, zu verwerfen, zu legitimieren oder zu re-formulieren, zusammen.

Im Fokus der Untersuchung stehen die unterschiedlichen Formen des Widerstands gegen bzw. die Konformität zu Direktiven ‚von oben‘ ebenso wie Alltagsroutinen, die durch Gewaltandrohung(en) geprägt sind.

Die These, dass auf allen gesellschaftlichen Ebenen – (inter-)national, regional sowie lokal – Anreize, Unterstützung sowie Narrative für den Einsatz von Gewalt vorhanden sind, eröffnet eine Theorieperspektive, in der über die Gewalt – im Hinblick auf ihr komplexes Verhältnis zwischen gesellschaftlichen Strukturbedingungen und sozialen Praktiken – zu diskutieren sein wird.