Über das Archiv

Das Archiv wurde 1988 gegründet. Im Rahmen der Forschungs-, Publikations- und Ausstellungstätigkeit des Hamburger Instituts für Sozialforschung werden unterschiedliche Quellen wie Aktenbestände, Graue Literatur, Zeitschriften, Plakate, Fotos etc. zu verschiedenen Themen der Zeitgeschichte, insbesondere zum Thema Protestbewegungen, gesammelt.

Am Beginn der Archivarbeit stand der Aufbau einer Quellen-Dokumentation zum Thema Protestbewegungen. Die Initiative zur Gründung dieses Sammlungsgebietes ging von dem Forschungs- und Publikationsprojekt "Protest-Chronik" aus, an dem Wolfgang Kraushaar bereits seit 1987 im Hamburger Institut für Sozialforschung arbeitet:

„In die Protest-Chronik werden sehr unterschiedliche Ereignisse, Vorkommnisse und Sachverhalte aufgenommen. Es wird keine Rücksicht darauf genommen, in welchem Bereich die jeweiligen Protestphänomene lokalisiert sind. Ob sich der Protest in Politik oder Wirtschaft, Justiz oder Bankwesen, den Kirchen, der Kultur oder anderswo ereignet, ist sekundär.

Keinerlei Beschränkung gibt es in Auswahl und Darstellung durch die Fixierung auf eine einzige politische Richtung. Linke und Liberale, Konservative und Rechte kommen darin ebenso vor wie die Repräsentanten von Positionen, die sich nicht fest zuordnen lassen. Entscheidend ist allein, ob sie als Träger oder Adressaten von Protestaktivitäten auftauchten. Gerade weil die Links-Rechts-Axiomatik von so zentraler Bedeutung für die Polarisierung, Mobilisierung und Konfliktaustragung ist, wird keine Beschränkung nach Kriterien politischer Positionsbestimmungen vorgenommen.

In die Chronik werden Entscheidungen, Reaktionen und Positionsveränderungen im Staat und seinen Organen, in den Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und Medien, im Justiz- und Verwaltungsapparat aufgenommen, sofern sie sich auf den Protest in mittelbarer oder unmittelbarer Form beziehen.

Unter Protest wird hier eine Form des öffentlichen Auf- oder Eintretens für eine partikulare gesellschaftliche Zielsetzung verstanden, mit der ein Missstand behoben, eine drohende Gefahr abgewendet oder allgemeiner eine Veränderung herbeigeführt werden soll. Subjekt des Protests ist eine Assoziation von Individuen, Gruppen und/oder Organisationen. In ihr gibt es weder eine Mitgliedschaft, eine anders definierte Formalisierung der Zugehörigkeit noch normativ abgesicherte Verhaltensregeln. Eine Teilnahme an den entsprechenden Aktivitäten steht prinzipiell allen Interessierten offen.

Der Anschluss an einen Protestzusammenhang kommt vor allem durch Kommunikationsprozesse zustande. Kommunikation ist das wesentliche Medium, über den er sich konstituiert. Ob Befragung, Erörterung, Diskussion, Debatte, Kontroverse oder Streit – in all ihren Formen trägt sie dazu bei, dass sich die entsprechenden Konturen bilden, vorhandene Strukturen mit anderen vernetzen und weiter ausdifferenzieren. Der Protest setzt gerade auf die Durchlässigkeit seiner sozialen Struktur. Demonstrativ wird seine Offenheit bekundet; er soll integrieren, mobilisieren und anwachsen.“ (Zitatende)

Neben dem kontinuierlichen Auf- und Ausbau des Sondersammlungsgebietes Protestbewegungen ergaben sich nach und nach weitere Aufgaben für das Archiv. Im Zuge der Recherchen zu großen Forschungs- und Ausstellungsprojekten gelangten in den 90er Jahren Quellen zu den Themen Gewaltphänomene im 20. Jahrhundert, Nationalsozialismus und Verbrechen der Wehrmacht (II. WK) ins Archiv. Seit der Jahrtausendwende nehmen Quellen aus der empirischen Sozialforschung breiteren Raum ein.

Die Bestände des Archivs stehen den Forschungsprojekten des Hauses, wie auch einer interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung.


Archiv des Hamburger Instituts für Sozialforschung
Mittelweg 36, 20148 Hamburg
Tel:  +49 40 414097-31
Fax: +49 40 414097-11
Email senden  


Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter:
Frank PierstorfDieter SchröderBritta Stamm
Leitung: Reinhart Schwarz